Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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war auch so. Uud dennoch war es zum Segeu uusres Volkes so wenrg,
wie die schönste Blume im Koru, weil es dem Boden wegnahm, was
wachsen mußte. Was weiter wachsen muß, wenn es nähren soll. Das
konntest du nicht wissen, als du es pflegtest, aber wenn du Augen hast, zu
sehn, so weißt du es jetzt. Weißt, daß, was du geliebt hast, auch in deinem
eignen Volke nicht siegen, daß es nur mehr Zwiespalt noch und Schwäche
bringen kann. Willst du die Blumen im Kornfeld pflegen?

Das Schicksal gebietet: töte in dir, töte auch von dem, was du liebst!

/Frtirb uud werde! Für alle, die das Wichtigste erstreben im Menschensein,
^die tatfrohe Stärke einheitlicher Persönlichkeit, hat das gewaltige Wort
jetzt besondern Sinn. Ietzt ist die Zeit der schweren Not, jetzt ist die Not
der schweren Zeit, jetzt ist für keine Kraft die Stunde, über untergegangenen
Hoffnungen verankert zu kreiseu. Ilnsern Fleiß braucht die Zsit, unsern
Lebenswillen, unsre Sachlichkeit, unsern Willen, hinauszusteuern uach ncuen
Zielen. Amd wie wir kein schädliches Zagtränmen in Verlorenes hinein
mehr brauchen können, so fruchtet uns auch nicht ein wälsches Haßpflegen
gegen unsre Verleumder, fruchtet uns uicht einmal die Gebärde der Ver--
achtung, uns Meistbetrogcnen der Welt, gegen die, welche uns betrogen.
Ie mehr wir unser volles Herz verschließen, desto weniger Blut vergeuden
wir. Wir wissen, wie viel da Pulst, wir wissen, wie wirs nutzen können.
Haben wir nicht auch Grund, stolz zn sein, daß wir Deutsche sind, im Weh
noch reicher, als manche Massen von innerer Ärmlichkeit? Wohl: unsern
Reichtum an Blut in Herz und Hirn der Welt, den wollen wir durch ihre
Adern strömen lassen.

Offenen Blick jetzt zu jenem Abennenschenantlitz am Morgen. Prüfenden
Blick und lernwilligen Gedanken. Ein Geschichtstag geht unter, wenn der
andre aufsteigt, so find' er in uns das Geschlecht, das bereit ist, ihn mit-
zuformen nach seinem Bilde. Stirb und werde! Sind wir an schöpfe-
rischen Kräften das reichste Volk, nun haben wir das zu zeigen. Werde,
du neues Deutschtum, werde! A

„Dernütigung" ?

sieht gewiß zunächst nach Demütigung aus. Das Großtun drüben,
E^der kleinlaute Ton hüben, das Benehmen unsrer Bundesgenossen und
^»^mancher kleinen Völker, die uoch nicht ahnen, was es bedeutet, daß uun
dcr einzige Widerstand gebrochen ist, der sich der angelsächsischen Welt-
herrschaft entgegenstemmte — sie haben bisher nur den Zustand des Um-
worbenseins zwischen mächtigen Wettbewerbern kennen gelernt —, und wir
wissen noch nicht einmal, ob wir auf demBoden dieserTiefe angelangt sind...

Erwägen wir dennoch mit Ruhe. Diese Demütiguug gibt einen eigen-
tümlichen Stolz mit sich. Weun man Franzosen und gar Italiener jetzt
prahlen hört, denkt man unwillkürlich: wieviel ehrenvoller doch, so welt-
verlafsen zu unterliegen, allein gegen eine Welt, als im heulenden Bunde
von neunundzwanzig gesiegt zu haben! Anklug wär es sicher, sich politisch
so zu stellen, daß es dahin komnren konnte — demütigend ist das Ergebnis
nicht. Demütigend nur für die bei uns herrschend gewesenen Klasscn
hinsichtlich ihrer politischen Fähigkeiten. Nicht für die Volkstüchtigkeit.
Es ist anch wohl etwas von dieser Einsicht, was gerade die Franzosen zu
so wüsten Racherufen treibt. Etwas, wie wenn sie es sich stärker ver-
gegenwärtigen müßten, daß sie wirklich und wahrhaftig unter den Siegern
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