Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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jüngst gehaltcnen Vortrag über die Zukunft Mittclafrikas noch weiter ausgebaut
hat. Voraussetzung für eine erfolgreiche deutsche Kolonialpolitik ist natürlich
auch für Solf, daß England die Notwendigkeit einer dentschen Aberseebetätigung
anerkennt, und daß Deutschland einen geschlossenen Kolonialbesitz erhält an Stelle
des bisherigen kolonialen Strenbesitzes, der in Kriegszeiten notwendigerweise
verloren gehen mußte, weil er die dauernde Kraft der Selbstverteidigung nicht
in sich trägt.

In diesen weitschauenden Ausführungen liegt das Problem unserer kolonialen
Zukunft begründet. Zur Erreichung dieser Ziele müssen sich alle kolonialfreudigen
Elemente zusammenscharen, um unsere Gegner zur Aufgabe ihres wiederholt er-
klärten und durch die anglo-amerikanische Formel des kolonialen Selbstbestim-
mungsrechtes auch nicht positiver gewordenen Standpunktes hinsichtlich der Nück-
gabe der deutschen Kolonien zu zwingen. Erreichen wir die feindliche Nachgiebig-
keit, durch welches Mittel auch, in diesem Hauptpunkte, so ist das Glück eines
überseeischen Deutschland auf sicherer Grundlage errichtet. Daß der Aufbau
eines solchen Reiches scine Zeit erfordert, lehrt alle Kolonialgeschichte nnd sollte
auch die unsere gelehrt haben. Die Prüfungen des Weltkrieges, die auch den
Neubau des alten Mutterlandes nötig machen, müssen darum auch auf kolo-
nialem Gebiete ein rciferes Volk vorfinden, als es das deutsche Volk der achtziger
Iahre war, das von zusammengewürfelten Aberseebesitzungen in kurzer Zeit
goldene Früchte erwartete. Maximilian von Hagen

Wohnungsbau nach dem Kriege. 2

^^k^ächst dcr Mehrkostendeckung durch das Reich ist die Organisation das
I Wichtigste in der Wohnungsfraqe. Wer soll bauen und wie soll man
^ ^die Arbeit schaffen?

Die Schwierigkeiten, die dem Bau des einzelnen entgegenstehen, sind so
groß, wie wir sie noch gar nicht kannten. Weder Baugeld noch Baustoffe sind
zu bekommen. Früher regelte sich dies alles von selbst, weil die Dinge sich
langsam und stetig entwickelten. Alle Industriezweige waren darauf einge-
stellt, wie ein Ahrwerk lief dic Arbeitsmaschine langsam ab. Heute wird sich
alles überstürzen. Die Nachfrage, die gestern noch nicht da war, wird
morgen mit einem Nuck zur Riesengröße aus der Erde wachsen, aber Geld
und Baustoffe werden fehlen. Arbeitskräfte werden vorhanden sein, aber vor-
erst kann man mit ihnen bei den Häusern noch nicht anfangen, da die Iiegel-
steine und das Bauholz nicht da sind. Billiges Baugeld soll zwar vom Reich
wmmen, aber wie soll der einzelne Bauunternehmer durch die vielfache Hinder-
nisreihe der behördlichen Prüfungen, Bürgschaften und Vertragssicherungen
hindurch bis zum Ziel, an das öffentliche Darlehen, herankommen? Wird
nicht ein großer Teil erst einmal abwarten, wie es die andern machen, und
welchen Erfolg diese dabei haben? Wird nicht Aufschub auf der ganzen Linie
das Ende aller Aberlegungen sein, statt der äußersten Beschleunigung, die
nötig wäre?

So wird es also nicht gehen, man darf die Lebensfrage von Hundert-
tausendcn von Familicn, die Wohnungsbeschaffung, nicht dem Wagemut und
der Schaffenskraft des einzelnen überlassen, sondern man muß die Kräfte zu
gemeinsamcr Arbcit zusammenfassen. Man vereinige alle zwar arbeitswilligen,
aber jede für sich nach verschiedenen Richtungen strebenden Einzelkräfte zu
einer Mittelkraft, man spanne alle gemeinsam vor denselben Wagen, und er
wird rollen.

Auch zu dieser Arbeit ist jetzt der geeignete Zeitpunkt gekommen, cs gilt,
ihn nicht zu verpassen. Iede Stadtgemeinde, welche mit Wohnungsnot nach
dem Kriegc zu rechnen hat, sam-mle alle an der Frage beteiligten Kreise um
sich und gründe mit ihnen zusammen eine Wohnbau-Genossenschaft m. b. H.
mit dem alleinigen Zweck dcs gemeinnützigen Wohnungsbaues. Alle von
früher hcr schon bestehenden Baugesellschaften, Genossenschaften und Vereine,
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