Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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Waffen, fei's ohne sie, so ist aber nicht einmal ganz sicher, ob die wirklich
imposante Entente-Fabrik für Monumental-Psychomechanik aoch spinnen
wird, die in den letzten Iahren die Gehirne der Menschheit kriegswirt--
schaftlich umfilzt hat. Auch Suggestionen nutzen sich ja ab. So wird es
später immerhin fraglich sein, bei wem man mehr Nationalehre finden
wird. Ob bei den Völkern, die ihre Bundesgenossen guter Chancen wegen
verrieten, oder bei denen, die von ihren verraten wurden. Ob bei Völkern,
die bei ihren flammenden Beteuerungen, um der Menschlichkeit willen
Krieg zu führen, vor allem einmal den Frauen und Kindern der Gegner
die Nahrung und ihren Männern das Geschäft sperrten. Ob bei Völkern,
die der Wahrheit willeu zu kämpfen erklärten und also systematisch ver°
leumdeten. Ob bei euch, die ihr, kurz gesagt, immer wieder auf heiligste
Ideale feierlichst schwort, um über dem vor zehnfacher Äbermacht, vor Hunger
durch euch, Verrat durch euch und Weltlüge durch euch eudlich, endlich
Niedergesunkenen den Götzen zu umtanzen, von dem ihr vier Iahre lang
empört behauptet habt, er wäre sein Abgott. Oder aber: bei uns.

Tas hat unsre Sorge zu sein: was wir den Kommendeu geben, den
Werdenden, und das hat unsre Freude zu sein: das Pflanzen und Pflegen
dieser Saat. And unser Stolz? Das, wofür wir uns halten in unserm
Herzen. Von einem Schmachfrieden spricht man? Das wollen wir meinen:
wenn jemals ein Frieden eine Schmach gewesen ist, so dieser. Aber nicht
für uns, sondern für die drüben. Wir dürfen stolz sein, denn mehr
als je liegt die Wahrung der heiligsten Menschengüter bei uns. A

Was ist geschehen? Was mutz geschehen?

Die Revolution

/Lin alter Satz hat sich nun auch in Deutschland bewahrheitet: Alle
^Gewalt geht vom Volke aus. Bis zum November l9l8 hat das
in den Büchern gestanden, aber ausgedeutet, durch Taten ausgedeutet hat
es eine dünne Schicht von Erben alter Macht und alten Besitzes. S o
hat sie den Satz gedeutet: ^,Wir fühlen uns als Berufene, das Volk zu
regieren, seine Wohlfahrt, seine Entwicklung, seine Kultur, seine Welt-
geltung zu fördern." Einst hat sie dem entsprochen, ohne das Volk auch
nur zu fragen, ob es damit einverstanden sei. Dann, als das geistige
heranwachsen des Volkes diesem Anmündigen-Zustand widersprach und
als es der grelle Widerspruch zwischen Arm und Reich, Alächtig und
Machtlos zum Nmsturz aufrief, als die „große Revolution" kam, dann
schien der Wille des Volkes zu siegen; aber nach einem Menschenalter von
entsetzlichen Leiden war erst ein bescheidener Teil der Vorrechte und Lrb-
besitztümer weggeräumt. Die Oberschicht hatte sich dem dumpfen Volks-
willen nur gerade so weit angepaßt, wie es zur Erhaltung ihrer Herrschaft
notwendig war. Erst die Revolutionen des sy-Iahrhunderts brachten die
Stimme des Volkes wirksamer zu Gehör. Aber auch dann noch erwies
sich die Macht der Oberschicht als stark genug, um den Einfluß dieser
Stimme sehr zu schwächen; sie durfte beraten, nicht entscheiden. Alles,
woran die Oberschicht hing, war erhalten: der Besitz von Monopolgütern,
die wirtschaftliche Nngezügeltheit dcs Einzelnen, das Erbrecht, das politische
Vorrecht, der fast unumschränkte Einfluß der Oberschicht auf die Geistes-
bildung des Volkes. Wir wissen alle, daß dieses System der Klassen»
herrschaft in seiner deutschen Ausprägung nicht das „Ilnerträglichste auf
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