Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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lich, sondern sogar von Konewka kein Buch mehr im Handel zu bekommen war,
und sich der Neudruck nach Buchhändlermeinung nicht lohnen sollte. Die gegen-
wärtige Mode gefährdet den Schattenschnitt, denn viele achten dabei weder auf
den Schattenstil, noch sonst auf den echten künstlerischen Wert; es gibt jetzt
stil- und gehaltlosen Schattenschnitt-Kitsch in Masse. Sprudelnd von Einfällen
immer herzlich nnd dabei immer geschmackvoll in Komposition und GMaltung
ist Dr. Georg Plischke, einer, der dabei das große Gnadengeschenk hat,
echt volkstümlich zu sein. Plischke tut nicht so, er i st etwas wie ein Geistes-Enkel
von Ludwig Nichter.

Das Schlußbildchcn ist nach einer Ieichnung von Fritz Philipp Schmidt
aus dem „Hausbuch deutscher Lhrik" entnommen.

Dem nächsten Heft legen wir den Knnstwart-Wandkalender für 1918 bei. Der
ist auch von Plischke.

An unsre Leser

^^k^or dem Kriege hab ich an dieser Stelle allweihnachtlich nach Iahrgangs-
Hwechsel und Vorweihnachtsarbeit zu deu Lesern von den kleinen Nöten
Freuden der Zeitschrift selber gesprochen, und nach dem Frieden
dacht ich das mit altem Behagen wieder zu tun. Ieder versteht, warum die Stim-
mung dazu noch fehlt. Statt dessen kommt also ein nüchterner Hinweis darauf,
daß es nie, auch währcnd des Krieges nie, schwieriger war, ein ordentliches
Zeitschriftheft herauszubringen, als jetzt. Wenn nian erst in alle Verhältnisse
einblickt und diese Wochen geschichtlich übersieht, wird es wie ein Wunder aus-
sehn, daß jetzt Ieitschriften wie nnsre überhaupt erscheinen konnten. Nm Nachsicht
für MLngel brauchen wir da wohl nicht erst zu bitten.

Auch um Förderung zu bitten brauchen wir wohl kaum. Wer den Geist
billigt, dem der „Kunstwart" als „Deutscher Wille" Ausdruck gibt, wer
seinen Einfluß im Volke crweitern nnd vertiefen will, der hat jctzt beim Herein-
strömen unscrer Männer die Gelegenheit dazu, wie nie. Wir verlassen nns da
auf unsre Freunde. Ich meinerseits könnte auch nur wiederholen: Niemals
sind unsre Aufgaben auch annähernd so groß und wichtig gewesen wie jetzt.
Wenn cs um die Fichte, Stcin, Humboldt zur Franzosenzeit vor 1813 einen
Reformcrkreis gab, dem wir noch heute danken, so gibt es einen jetzt, und
in seinen Dienst stellt sich unser Blatt. Mit solchen Männern wollen wir Hand
in Hand ins volle Leben gehn, die Herzcn warm vom ererbten Blut, die Augen
und die Ohren hell, willig, aber auch kritisch, dentsch, weil wir Deutsche sind,
und allem Tüchtigen auf der Erde Frcnnd, weil wir Menschen sind, mit den
Aufwachsenden austauschend, was unser war und was ihrer ist, aufrecht
hinein als Arbeiter an der Zukunft in die Geaenwart der neuen Zeit. A


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