Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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und Arbeit. Schließlich soll die Gesellschaft dafür sorgen, daß alle Arbeiten
der Mitglieder innerhalb der Gesellschaft, also mit öffentlichen
Mitteln nur gemeinnützigen Zwecken dienen. Dazu hat sie schon vorab
die Entwürfe zu prüfen, wird aber hinterher ihr Augeninerk auch vorzüglich
den Miets- und Kaufvcrträgen zuzuwenden haben, um ungebührliche Miets-
steigerungen und Verwertung des Geschaffenen zu Spekulationszwecken zu ver-
hindern. Die Form des Bodenrechts, der Nückkauf, der Erbbau, der Renten-

bau usw. sind von ihr sorgfältig zu prüfen und das Beste im Einzelfalle

anzuwenden. So hat die Gesellschaft auch soziale Pflichten allerersten Ranges
zu erfüllen und ihrer Wohngemeinde einen Teil der Verantwortung abzu-
nehmen.

Aus allem geht hervor, daß es bei der Bildung einzelner örtlicher Gesell-

schaften allein nicht sein Bewenden haben darf. Vielmehr dürfen sie nur ein

Glied in der Kette aller Gesellschaften sein, ihre Gemeinwirksamkeit muß das
ganze Land umspannen. Vor allem aber müssen sie durch besondre provin-
zielle Gesellschaften ergänzt werden, die in Personalunion mit den Landes-
versicherungsanstalten, als die Großbanken für die örtlichen Gesellschaften, zu
dienen und den Goldstrom des Reiches in die einzelnen Kanäle zu leiten haben.
Diese Gesellschaften sollen gleichzeitig die Hauptverteilungsstellen und Preis-
prüfungsstellen für die öffentlich bewirtschafteten Hauptbaustoffe werden und
auf diese Weise die Baustoffindustrie und die Verbraucherkreise in ihrer Hand
vereinigen. Außerdem aber müssen sie als Ausgleich dort einhelfen, wo eine
örtliche Gesellschaft versagt oder aus Mangel an Wagemut gar nicht ge-
gründet wird. In Westfalen ist eine solche Provinzgesellschaft für ländliche
Siedelung („Rote Erde") schon vorhanden und eine gleiche für städtische Siede-
lung ist in Bildung begriffen.

Auch diese Gesellschaften können aber nicht der Kopf des Gebildes sein,
dem wir die Fürsorge für das Heim unsrer Krieger anvcrtrauen. Auch sie
erforderu wieder zentrale Landcsstellen zur Gesamtleitung in der Frage der
Kapitalleistung, der Baustoffmobilmachung, der Baurechtsverjüngung und viel-
lcicht auch der Umbildung des Bodenrechts. Uud alle diese Laudesanstalten
müssen folgerichtig ihr Haupt in einem Reichswohnungsamt finden, das von
großen Gesichtspunkten die ganze Arbeit zu leiten hat. Und damit würden
wir den Wohnungsdiktator erreichen, nach dem schon früher von Weitsichtigen
so dringend gerufen ist. Mit ausreichenden Vollmachten ausgestattet, muß er
im Auftrage des Reichskanzlers mit seinen Mitarbeitern die oberste Heeres-
leitung im Kampf um das deutsche Heim, um die menschenwürdige Wohnung
unsrer heimkehrenden Tapfren werden. Der Reichstagsausschuß, der sich jetzt
mit der Frage der Kapitalleistung beschäftigt, sollte scin Augenmerk auch dieser
Frage zuwenden und dafür sorgen, daß an die Stelle der Zersplitterung, die
zum Mißerfolg führen muß, die klare straffe Organisation des Reichswohnungs-
amts, der Landesämter, der Provinzialgesellschaften und der Ortsgruppe tritt.
Nur durch unsre Organisation, durch unsre innere Mobilmachung haben wir
dieseu Schicksalskrieg bestehen können, nur dnrch klare Arbeitsteilung auf dem
Gebiet des Wohnungsbaues können wir auch das Ziel des deutschen Heims
erreichen. Darum sorge der Reichstag in letzter Stunde dafür, damit ihn nicht
die zurückströmenden Krieger überraschen und uns allen die Wohnungsnot über
den Kopf wächst!

Bielefeld Stadtbaurat Schultz

Keyserling l'

/^k^k^enn jetzt Friede wäre, so dürften und würden wir ein kleines Gedenkheft
V Hdem jüngst geschiedenen Grafen Eduard Keyserling widmen, der zu den
^' adligsten, reifsten, gütigsten und menschlichsten eines ganzen Dichter-
geschlechtes gehörte. Wir hätten dann den Raum dazu, uns eine Neihe seiner
wundervoll durchsichtigen Gestalten zur Totenfeier zu rufen; die Frauen, von
der lieblichcn Benigne und den versonnenen Kindern östlichen Landes und

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