Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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Von Suggestion und Masienseele

als zweien der „aktuellsten" Fragen

^^^er Knnstwart-Kreis hat von je nicht nnr eine Lese-Gemeinschaft,
Hsondern eine Willens- und Tat-Gemeinschaft gebildet. Er hat dadurch
-^^-^seit l887 nicht ganz weniges erreicht. Aber noch nie haben sich nns
Anfgaben auch nur annähernd von solcher Bedeutung gestellt wie jetzt. Das
ist der tiefste Grund, weshalb wir der Vcrsuchung, uns abseit von Weltkrieg
nnd politischem Lärm anf einer Friedensinsel zn pflegen, noch nicht nachgeben
dürfen. Dnrch die Art der innerpolitischen Entwicklung, durch die Bölker-
verhetzung und durch den Weltwahn sind Fragen der Ausdruckskultur bis
zu lebenentscheidender Wichtigkeit emporgewachsen. Fragen also unsres ganz
eigentlichcn Arbeitgebiets.

^m letzten tzeft habe ich von dem Doppelzweck meines Bnches „Das Bild
Oals Narr" gesprochen, ich wiederhole der neuen Leser wegen einiges Wenige
dahcr. Datz mein Bnch den Neutralen ein nmfassendes Spiegelbild vom Sug-
gestionskrieg gegen alles Deutsche zcige, scheint mir nicht einmal seine wichtigstc
Aufgabc. t^oiidern: daß es uns Deutsche selbst aufwecke, anfschüttele, damit wir
endlich lcibhaftig wie Lnthcr auf der Wartburg den Tenfel sehn, der nns sonst
im Schlafe erwürgen kann. Bis jetzt kennt ja nnser Volk den Suggestionskrieg
nur wie ein Gcwitter vom Wetterleuchten, denn er kommt und zündet unterm
Horizont, er wird hinter den Fronten geführt, im Auslande. Den Waffen- und
den Wirtschaftskrieg erfahren wir am eigenen Leibe unmittclbar, dcn Suggestions-
krieg erst an seinen Folgen. Wenn aber ans einem Neutralen nach dem audern
ein Feind wird, wcnn nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg selbst die an°
fangs so deutschtumbewußten Deutschen dort gegen uns in die Reihen treten,
wenn Volk anf Bolk mehr und mehr mit zweierlei Maße zu messen lernt, je
nachdem, ob wir etwas tnn oder unsre Gegner, so reichen Intcressen uud Macht-
zwang durch die Entente allcin znr Erklärung dieser ltmwandlungen nicht hin.
Schon dcr Eintritt Amerikas in den Krieg war nnr erklärlich durch cin S t i m°
men des Volksgeistes gegen nns. Schließlich erkennen wir, daß der
Snggestionskrieg nichts weniger als eine Nebensache ist, daß cr den
Waffen» wie den Wirtschaftskrieg ernahrt, ja: daß die Welt ohne ihn, den
S u g g e sti o n s kr i e g, schon längst wieder Frieden hätte.

Der Suggestionskrieg gegen uns ist älter als vier Iahre, und er wird länger
als der Waffenkrieg dauern. Die Entente brachte für ihn die großartigste
Rüstung mit: ihre Presse ward in allen Kontinenten gelesen und ihre Nach-
richtenbüros zeigten alles Geschehen in ihrem Lichte. Wir spielten da nur
eine sehr bescheidene Rolle nebcnbei, die Warnungen und Mahnungen einigcr
Weniger wurden nicht beachtet, wir gründeten unserseits weder internationale
Zeitungen noch Büros, übcrlicßen unsre diplonurtische Vertretung in all dcn
großen nnd kleinen Amtern der Inzucht aus einer Klasse, lieferten dcr Ver-
arbeitung durch die andern gelegentlich kiirdlich unbedachte Reden, Artikel urrd


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