Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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politische Machtquelle zu verschütten, wenn wir die ausgestreckte tzand er--
greifen,- nicht mehr verpflichten wir uns dadurch irgendwie zu einer
Politik gegen andere Völker, die uns bedenklich erscheinen könnte, und
nachdem in Wien die Republik ausgerufen worden ist, dürfen wir an--
nehmen, daß auch die soziale Strukturverschiedenheit der beiden Völker
überwindbar sein wird. So dürfen wir die Erklärung der Wiener Regie--
rung mit vorbehaltloser Freude entgegennehmen. Um sie zur Tat zu
machen, dürfen und sollen wir alle Kräfte einsetzen. Steirische, tirolische,
kärntnerische, ober- und niederösterreichische und viele andre Deutsche werden
wir nun gleichzuachten haben den bayrischen, thüringischen, hannoverschen
oder schlesischen. Eine gewaltige Summe von Talent und Kraft wächst so
dem werdendeu neuen Deutschland zu; neben rassisch gemischten eine tüchtige
Hunderttausendzahl von reindeutschen Menschen. Wir werden sie ge-
brauchen können. Fehlt es unsrer Spröde an der Gabe rascher Anpassung,
die sie reich besitzen, so fehlt es ihrer liebenswerten Weichheit vielleicht
an der organisierenden HLrte, die uns mehr auszeichnet. Sind wir mehr
im Unternehmen und Erwerb aufgegangen, so werden sie, die zu glücklicherer
Lebensführung Geborenen, uns immer bewußt halten, daß der Schwerpunkt
des Glücks nicht in solchen Gütern allein liegt. Haben sie Lebensordnungen
geduldet, unter denen sich die Schwierigkeiten für Aufstieg und Fortschritt
des Volkes ins Unabsehbare häuften, so werden wir ihnen vielleicht helfen
können, klarer und rascher die äußeren Bedingungen herzustellen für die
Durchführung des Volkswillens. Aller Fortschritt der Menschheit hat Be-
rührung verschiedener Gruppen von Menschen zur Voraussetzung; eine
einheitliche, abgeschlossene Gruppe von Menschen verfällt dem Stillstand.
Erst wenn einige bemerken: seht, die da machen dies alles anders und
es geht, laßt es uns auch so versuchen, erst dann beginnt die träge Lebens-
kraft sich, phantasiegetragen und von Vorbildern gelockt, in der Aus-
gestaltung ihres Daseins zu erproben.

Ein Blatt im Buch der Geschichte ist vollgeschrieben. Wir rechnen nicht
ab. Wir wenden um. Ein neuer Austausch von Kräften und eine neue
Offenheit der Herzen beginnt. In die Fanfaren des jungen Tages der
Deutschen, die unter dem Druck eines furchtbaren Zusammenbruchs lauter
und lauter ertönen, mischt sich der helle eigene Ton aus dem alten Osten,
den wir lieben, eine neue Verheißung kommender glücklicherer Zeit.

Llm Kaiser und Könige

l

Noch vor der Abdankung des Kaisers schrieb uns Arthur Bonus:
^vv^ir Deutschen haben stets über das wütende Sündenbocksuchen der
H AFranzosen, wenn ihnen etwas schief ging, gespottet. Wollen wir nicht
^"^auch jetzt mit Verachtung auf diejenigen sehn, die nach Opfern
ihrer Rachewut schreien? Aber die Abdankungsfrage ist eine andere.
Wer sie mit der Schuldfrage vermengt, muß abgewiesen werden.
Politische Fehler liegen viele und schlimme, ja grauenhafte vor; eine straf-
würdige Schuld nicht. Der Kaiser hat so gut nach seinem besten Gewissen
gehandelt, wie nur irgendwelche Vertreter der Gegenansicht, drinnen und
besonders draußen. Unser an sich so nützliches „Die Schuld bei uns selbst
suchen^ darf nicht in ziellose Selbstbeschimpfung, in moralische Wiedehopferei
ausarten. Es haben starke Imperialismen hüben und drüben miteinander
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