Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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Das deutsche Bewußtsein

>»^^ach der Tyrannei der Äbermacht der Segen der Gerechtigkeit, nach den
I wildesten Irrungen klar der Weg znm Ziel, nach den Verwüstnngen
^ ^der Wiederaufbau, nach den Kämpfen nur Freundschaft, Frieden,
Freiheit, Völkerbund — Gottesreich auf Erden. Die Worte, die man von
drüben her strahlen ließ, gehören zu den größten der Menschheit — wenn
ihrem Klang und Glanze ihr Gehalt entspricht, so darf ganz sicher unter den
Völkern kein einziges zögern, für die Verkörperung so allgemeinen Mensch-
heitsegens auch das schwerste Opfer an eignem Sondergute zu bieten. Gerech-
tigkeit, Aufbau, Verständigung und Bund — nach den Zeiten des Ent-
setzens der segnende Frühling. Freilich nur: wenn es echte Sonne ist, die
da aufgeht. Wenn es keine ist, was dann? Wenn die leuchtenden Worte
da nur Blendfeuer und Kunstlicht wären, um gierige Machtsucht oder gar
um Geschäftsmache zu verstecken — was dann? Wäre es gar zu pathetisch
gesagt, wenn einer behauptete: dann stände die Menschheit vor dem sitt-
lichen Tod? Zum mindesten: der neue Völkerbund wäre sehr unsicher ge-
baut, falls auch nur eine seiner Stützen ihn wider eigenen Willen
mithalten, falls auch nur eines der beteiligten Völker ihn mit dem Be-
wußtsein tragen sollte: was auf seinem Giebel steht, das lügt, er bedeutet
Verkennung, Fälschung, Selbstsucht, bedeutet ein ungerechtes Lrleiden und
Sklaverei. Die Vergewaltigung irgendwelchen Teils durch irgendwen wäre
die Quelle der Unterspülung des ganzen Baus. Wir Deutschen würden
auch solchen Frieden annehmen, wenn wir müßten. Aber keine „Sicherung"
gegen uns, keine Beraubung von Gut, Land, Macht könnte uns zwingen,
die Macht für Recht zu halten. Könnte uns hindern, das Recht zu wol-
l e n. Könnte uns davon abhalten, das Recht mit dem Gedanken zusuchen,
bis es herantagte, und wärs in Götterdämmerung. Das weiß man auch

>. Novemberheit idis (XXXII, z)

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