Deutscher Wille: des Kunstwarts — 32,1.1918

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körper eignende Lrkennen ist nicht nnr,
sonüern auch wird. Nnr wenn der
einzelne die Menschheit als eine leben-
dige Genreinschaft der einzelnen an°
schaut nnd erbant, ihren Geist und
Bewnßtsein in sich tcägt und in chr
das abgesonderte Dasein verliert und
wiederfindet, nnr dann hat er das
höhere Leben nnd den Friedcn Sottes
in sich.

Schöpferische Freiheit

Nur fnr den gibts Freiheit und Rrr-
endlichkeit, der wohl zn sondern weiß,
was in seinem Dasein erst selbst ist
nnd was fremdes, was in der Welt
chm fremdes, was er selbst; ja nnr
für den, der klar das große Rätsel,
wie beides zn scheiden ist, nnd wie es
ineinander wirkt, sich gelöst, ein Rät-
sel, in dessen alten Finsternissen noch
TaNsende sich quälen und hingegen,
weil das eigene Licht verloschen, dem
trngerischsten Scheine folgen müssen.
Die Außenwelt, die Welt vom Geist
geleert, ist jedem von der Menge das
Größte und Erste, der Geist ein kleiner
Gast nur auf dieser Welt, nicht sicher
seines Ortes und seiner Kräfte. Mir
stellt der Geist, die Innenwelt, sich
kühn der Außenwelt, dem Reich des
Stoffs, der Dinge gegenüber. Deutet
nicht des Geistcs Vermählung mit dem
Leibe auf seine große Vermählung mit
allem, was leibähnlich ist? Erfaß ich
nicht mit meiner Sinne Kraft die
Außenwelt? Trag ich nicht die ewigen
Fotmen der Dinge ewig in mir? Und
erkenn ich sie nicht so nur als den
hellen Spicgel meines Innern? Iene
fühlen sich voll Ehrfurcht, ja in Furcht
darnieder gedrückt von den unendlich
großen und schweren Massen des Er-
denstoffes, zwischen denen sie so klein
sich und so unbedeutend scheinen; mir
ist das alles nur der große gemein-
schaftliche Leib der Menschheit, wie der
eigene Leib dem einzelnen gehört, ihr
angehörig, nur durch sie möglich und
ihr mitgegeben, daß sie ihn beherrsche,
sich durch ihn verkünde. Ihr freies
Tun ist auf ihn hingerichtet, um alle
seine Pulse zu fühlen, ihn zu bilden,
alles sich in Organe umzuwandeln und
alle seine Teile mit der Gegenwart
des königlichen Geistes zu zeichnen, zu
beleben. So ist die Erde mir der Schau»
platz meines freien Tuns; unü auch

in jeglichem Gefühl, wie sehr die Außen-
welt es ganz mir aufzudringen scheine,
in denen auch, worin ich ihre und des
großen Ganzen Gemeinschaft empfind«,
dennoch freie innere Tätigkeit. Nichts
ist nur Wirkung von ihr auf mich,
nern, immer geht auch Wirkurrg von
mir aus auf sie; und nicht in anderm
Sinne fühl ich mich durch sie beschränkt
als durch den eigenen Leib. Doch was
ich wahrhaft mir, dem einzelnen, ent-
gegensetze, was mir zunächst Welt ist,
Allgegenwart und Allmacht in sich
schließend, das ist die ewige Gemein-
schaft der Geister, ihr Einfluß auf°
einander, ihr gegenseitig Bilden, die
hohe Harmonie der Freiheit. Und ihr
gebührt es, zu verwandeln und zu bil-
den die Oberfläche meines Wesens und
auf mich einzuwirken. Hier und nur
hier ist der Notwendigkeit Gebiet. Mein
TuN ist frei, nicht so mein Wirken in
der Welt der Geister; das folgt ewigen
Gesetzen. Es stößt die Freiheit an der
Freiheit sich, und was geschieht, trägt
der Beschränkung und Gemeinschaft
Zeichen. Ia, du bist überall das erste,
heilige Freiheitl Du wohnst in mir,
in allen; Notwendigkeit ist außer uns
gesetzt, ist der bestintmte Ton vom schö-
nen Zusammenstoß der Freiheit, der
ihr Dasein verkündet. Mich kann ich
nur als Freiheit anschaun; was not-
wendig ist, ist nicht mein Tun, es ist
sein Widerschein: es sind die Elemente
der Welt, die in der fröhlichen Ge°
meinschaft mit allen ich erschaffen helfe.
Ihr gehören die Werke, die auf gemein-
schaftlichem Boden mit andern ich er-
baut als meinen Anteil an der Schöp-
fung, die unsere inneren Gedanken dar-
stellt; ihr der bald steigenden, bald fal-
lenden Gefühle Gehalt; ihr die Bilder,
die kommen und vergehen, und was
sonst wechselnd ins Gcmüt die Zeit
bringt und hinwegnimmt als Zeichen,
daß Geist und Geist sich liebevoll be°
gegnet, als den Kuß der Freundschast
zwischen beiden, der sich airders im°
mer wiederholt.

Iung bleibenl

Frühe sucht manchen das Alter heim,
das mürrische, dürftige, hoffnungslose,
und ein feindlicher Geist bricht ihm
ab die Blüte der Iugend, wenn sic kaum
sich aufgetan; lange bleibt anderen der
Mut, und das weiße Haupt hebt noch
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