Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

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ERWEITERUNG DES STADTTEILS
BIS ZUR JAHRHUNDERTWENDE
Neben der Kirchwender Straße gehörten der
ehemalige Weidendamm und die Seelhorst-
straße zu den relativ früh vorhandenen Stra-
ßen im Stadtteil Zoo. An ihnen orientierte
sich auch zunächst die weitere Entwicklung,
die durch den Bau der Villa Rümpler (s.o.)
in der 2. Hälfte der sechziger Jahre eingelei-
tet wurde. Bis zu dieser Zeit waren neben
den o.g. Gebäuden nur einige Militärbauten
(Artillerieschuppen, Pulvermagazin) und Gar-
tenhäuschen im Bereich der Kleinen Bult
und im östlichen Abschnitt der Seelhorst-
straße (An der Seelhorst) vorhanden.
Am Treffpunkt von Weidendamm und
Schiffgraben war bereits 1712 weit vor den
Toren der Stadt ein Gebäude errichtet wor-
den, das bei der damals drohenden Pestge-
fahr als Hospital dienen sollte. Als die Stadt
nicht von der Seuche betroffen wurde, ent-
wickelte sich das Gebäude zu einem belieb-
ten Gasthaus, „Neues Haus" genannt. Von
dem 1892 erstellten großzügigen Neubau
sind nach der Zerstörung im Zweiten Welt-
krieg die Arkaden vor der neuen Musikhoch-
schule am Emmichplatz wiedererrichtet wor-
den. Sie bilden heute, ebenso wie der 1928
von Hans Poelzig entworfene Brunnen an der
Fritz-Behrens-Allee einen besondere Kon-
trast zur strengen Fassade der Hochschule.
Nachdem 1863 der Zoologische Garten ge-
gründet wurde und als Zufahrtsstraße der
Weidendamm ausgebaut wurde, begann eine
relativ zügige Aufsiedlung des Bereichs zwi-
schen heutiger Hindenburgstraße und Seel-
horststraße. Bis zum Ende der achtziger
Jahre waren neben den beiden genannten
Straßen auch die zueinander parallel ver-
laufenden Seitenstraßen nahezu vollständig
bebaut. Die östliche Grenze bildete die Kai-
serallee.
Hindenburgstraße
Aus der Frühphase dieser Entwicklung stam-
men die beiden Wohnhäuser Hindenburgstra-
ße 13 und 15/15a, die als Eckbauten zur
Ellernstraße und Löwenstraße einen beson-
deren Akzent setzen. Die zweigeschossigen,
hinter tiefen Vorgärten gelegenen Ziegelbau-
ten verdeutlichen die Bebauung mit gehobe-
nen villenartigen Wohnhäusern der ersten
Stadtteilerweiterung. Das 1872 gebaute Haus
Nr. 13 ist ein zweigeschossiger, mit gotisie-
renden Elementen versehener Baukörper,
dessen Ziegelmauerwerk heute weiß über-
tüncht ist. Herausgehoben sind die aus Werk-
stein gehauenen Fensterlaibungen und orna-
mentierten Brüstungsfelder. Eine deutliche
Betonung erhält das Gebäude durch den über
Eck gestellten Risalit mit dem vorgelegten
Altan und der Freitreppe zum Vorgarten.
Die Eckbetonung wird durch den grußeiser-
nen Gartenzaun mit der gerundeten Mauer
zur Straße aufgenommen. Die seitliche Be-
grenzung des Wohnhauses bilden zwei Türme
mit flachen Kegeldächern. Als Nebengebäu-
de ist an der Ellernstraße die Remise erhal-
ten, deren Front mit einem Treppengiebel
abgeschlossen ist.

Plan der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover, 1887/90, Ausschnitt, Historisches
Museum Hannover



Hindenburgstraße 13, 1872


Hindenburgstraße 15/15a,um 1872


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