Ness, Wolfgang [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

Seite: 149
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BAULICHE ENTWICKLUNG
ZWISCHEN SEELHORSTSTRASSE,
SCHARNHORSTSTRASSE UND
PLATHNERSTRASSE
Nachdem in den neunziger Jahren im gesam-
ten Stadtteil relativ wenige Neubauten ent-
standen, setzte um die Jahrhundertwende
durch Ausweisung von neuen Wohngebie-
ten zunächst im Bereich südlich der Seel-
horststraße eine verstärkte Bautätigkeit ein.
Eingeleitet wurde diese Entwicklung durch
den Bau der Sophienschule an der Seelhorst-
straße 8.
Sophienschule
Der hinter einem breiten Vorgarten gelegene
dreigeschossige Sandsteinbau entstand nach
Plänen von Stadtbauinspektor Rowald in
den Jahren 1898—1900. Das an der Straße
stehende Hauptgebäude bildet mit der rück-
wärtig angebauten Turnhalle einen L-förmi-
gen Grundriß. Die Fassade ist durch breite
Lisenen in fünf Hauptachsen gegliedert, von
denen die drei mittleren in Form eines Risa-
lits vorspringen. Durch verkröpfte Geschoß-
gesimse und gefugtes Mauerwerk im Erdge-
schoß und erstem Obergeschoß erhält der
Bau seine starke horizontale Betonung. Eine
Durchbrechung dieser Struktur entsteht am
Mittelrisalit durch die Lisenen, die über der
Traufe von Ziervasen bekrönt sind. Das mit-
tige Portal trägt ein Relief der Kurfürstin So-
phie, nach der die Schule benannt wurde.
Hinter der Eingangshalle erschließt ein rück-
wärtig gelegenes Treppenhaus die Mittel-
gänge, an denen sich zur Straße und zum
Hof die Klassenräume sowie im dritten Ober-
geschoß die hinter dem Risalit gelegene Aula
angliedern. Die ursprünglich als Mädchen-
gymnasium genutzte Schule nimmt in der
kleinteiligen Struktur der umgebenden Be-
bauung eine dominierende Stellung ein.
Wohnbebauung
Unmittelbar südlich und östlich an das Ge-
lände der Schule anschließend entstand seit
etwa 1905 ein Wohngebiet, das im wesentli-
chen durch Einfamilienreihenhäuser von ge-
hobenem Anspruch bestimmt wird.
Insbesondere die Ellernstraße wird im Ab-
schnitt zwischen Seelhorststraße und Leise-
witzstraße durch diese Bebauung geprägt.
Auf der Ostseite entstanden um 1905 mit
den Häusern Nr. 11—25 zweigeschossige
Reihenhäuser auf relativ breiten Parzellen
(etwa 12 m). Die Gebäude stehen z.T. auf
hohen Souterraingeschossen, die in Haustein
oder Ziegel von den übrigen verputzten Fas-
saden abgesetzt sind. Sowohl die Fassaden
als auch die Dachzonen sind durch Ausbau-
ten wie Erker, Balkone, Zwerchhäuser und
Gauben besonders lebhaft gegliedert, wobei
in den Obergeschossen und im Dachbereich
auch Fachwerk Anwendung findet. Stili-
stisch werden historisierende Formen mit
Jugendstilelementen durchmischt und dabei
jedes Haus für sich individuell gestaltet. An-
nähernd identisch oder ähnlich stellen sich
die großzügigen Grundrisse dar: Bei drei bis
vier Wohnebenen sind im Souterrain (Keller)
die Küche und hauswirtschaftliche Neben-
räume untergebracht, im Erdgeschoß oder

im ersten Obergeschoß die Wohnräume (zur
Rückseite z.T. mit Wintergarten), im zwei-
ten Obergeschoß die Schlafräume und im
Dachgeschoß Kammern für Personal und
Gäste. Alle Gebäude werden durch seitlich
in der Fassade gelegene Eingänge erschlos-
sen.
Besonders erwähnenswert sind die Häuser
Nr. 11 mit einer Ziegelfassade und einem
doppelten Treppengiebel, Nr. 13 mit gelun-
gener Gesamtgestaltung (Stadtbaurat Wolff)
und der Eckbau Nr. 25, der mit seinerstark
historisierenden Fassade als stilistisch älte-
ster Bau der Gruppe anzusehen ist. Er bil-
det mit seinem hohen Eckturm gleichzeitig
einen herausragenden städtebaulichen Ab-
schluß.
Die gegenüberliegende Westseite, die teil-
weise später (um 1910) erstellt wurde, ent-
spricht in Material und Gestaltung der Ost-
seite. Hier wurden jedoch auf z.T. schmale-
ren Grundstücken Gebäude mit drei Vollge-
schossen errichtet, wobei die Grundrißauf-
teilung mit der oben genannten identisch
ist.
Insgesamt bietet die Ellernstraße im genann-
ten Abschnitt das Bild einer geschlossenen
Wohnstraße, ein Eindruck, der durch den

Ellernstraße 13, Grundrisse




r

Ellernstraße 25, 23ff., um 1905


Ellernstraße 30—38, um 1905


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