Die Gartenkunst — 32.1919

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E. Barth: Schustehrus-Park, Charlottenburg.

Blick durch das Staudengärtchen in den Hauptweg des Parkes. (Standpunkt III.)

denen alten Gärten bestehende Gelände war ur-
sprünglich zur Bebauung bestimmt. Mit Rück-
sicht auf seinen schönen, über 100 Jahre alten
Baumbestand ließ sich aber die städtische Ver-
waltung im Frühjahr 1914 bereit finden, seinem
Ankauf und seiner Erschließung als städtischen
Park zuzustimmen. Wenn die erforderlichen
Mittel auch nicht unerheblich waren, so wird doch
die Stadt diese Tat nicht bereuen, denn kein Platz
Charlottenburgs ist so stark besucht wie dieser.

Bei der Erschließung des Parkes mußte auf
die Notwendigkeit verschiedener Verkehrswege
Rücksicht genommen werden. Diese sind so ge-
führt, daß einmal die abgeschlossene Raumwir-
kung des Platzes nicht gestört ist, weshalb die
Wege nicht ohne Versetzung von Straße zu Straße
genau durchgeführt sind, und daß auch eine

Entfernung erhaltenswerter Bäume nicht erfor-
derlich war.

Der Grundriß sieht auf den ersten Blick außer-
ordentlich kahl und nüchtern aus; daß er es je-
doch in seiner Ausführung nicht ist, zeigen die
Abbildungen.

In dem mit alten Bäumen bestandenen Park-
teile sind Ruheplätze für Erwachsene in großer
Anzahl vorgesehen. FürKinderist ein geräumiger,
entraster, von Kalksteinmauern und Wildrosen-
pflanzung umgebener Spielplatz an der Hebbel-
straße angeordnet. Eine der umfassenden Mauern
war zur Trennung der früheren Gärten bereits
vorhanden.

Der ganze Park kann nach Eintritt der Dun-
kelheit abgeschlossen werden. Das Weitere ist
aus Grundplan und Abbildungen ersichtlich.

Schülerg arten.

In den letzten Jahrzehnten sind an vielen
Schulen, namentlich der mittleren und großen
Städte, Schulgärten eingerichtet worden, die, im
Dienste des naturwissenschaftlichen Unterrichts
stehend, diesem das notwendige Anschauungs-
und Beobachtungsmaterial liefern. In diese Schul-
gärten begeben sich, insofern sie hinreichend
groß sind, während der Unterrichtsstunden die
einzelnen Klassen, um dort das Werden und Ver-
gehen, die verschiedenartigen Formen und Äuße-
rungen des pflanzlichen und auch tierischen Lebens

zu beobachten. Im allgemeinen sind die Pflanzen
nach dem botanischen System oder nach biolo-
gischen Gesichtspunkten, hin und wieder auch
nachLebensgemeinschaften, angeordnet. Zuweilen
ist auch dem Gemüse- und Obstbau ein mehr
oder weniger bescheidener Raum gewährt. Von
diesen Schulgärten, die man auch als Einzel-
Schulgärten zu bezeichnen pflegt im Gegensatz
zu den Zentral-Schulgärten, die für sämtliche
Schulen einer Stadt eingerichtet sind, unter-
scheiden sich wesentlich die Schülergärten und

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