Die Gartenkunst — 32.1919

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Entwurf zu einem Schülergarten für die Ausstellung „Hof und Garten“ (Sept. 1919, Frankfurt a. M.).

Von Rektor Förster.

Art angestellt, die Abhängigkeit des Pflanzen-
wuchses von den verschiedenen Bodenarten dar-
getan, Mittel zur Schädlingsbekämpfung u. s. £
erprobt werden. Auch die Herrichtung einer
kleinen Baumschule und einer Saatschule gehören
zum lehrhaften Teil des Schülergartens.

Wenn der Schülergarten in unmittelbarer
Nähe der Schule angelegt werden kann, so ist
das in mancher Hinsicht, namentlich im unterricht-
lichenlnteresse, zubegrüßen. Notwendig erscheint
uns indessen die räumliche Nähe bei der Schule
nicht zu sein. Wir können uns sehr wohl denken,
daß eine größere Fläche Landes, etwa 1 Hektar,
vor den Toren der Stadt in Form einer Schüler-
gartenkolonie angelegt wird, die etwa 8 Schulen
eines Bezirks zur Bewirtschaftung zuzuweisen
wäre. Manche Einrichtungen der Gärten, wie
Geräteräume, Aborte u. s.f. könnten als gemein-
same Anlage eingebaut, die einzelnen Gärten der
Kolonie durch niedrige Hecken voneinander ge-
trennt werden. Daß eine solche Schülergarten-
kolonie mit einer bestehenden oder neu anzu-

legenden Kleingartenbaukolonie in Verbindung
gebracht, auch als ebenso reizvoller wie anziehen-
der Bestandteil einesVolksparks angelegt werden
könnte, sei nur beiläufig erwähnt.

Wir haben uns bestrebt, im vorstehenden das
Charakteristische der Schülergarten-Idee kurz
hervorzuheben. Schülergärten dieser Art bestehen
wohl schon vereinzelt hier und da. Vor dem Kriege
waren es jedenfalls nur seltene Ausnahmen.
Wenn wir die Zeichen der Zeit richtig deuten, so
stehen wir vor einem neuen Abschnitt in der Ent-
wicklung der Schulgartenfrage. Die Kriegesnot
hat die wirtschaftliche Bedeutung des Kleingarten-
baues in eine neue Beleuchtung gerückt, sie hat
auch dem Schulgarten neue Wege gewiesen. Die
Arbeit, die eiserne Arbeit, wird allein in der Lage
sein, unser Volk wieder aufwärts zu führen aus
den Tiefen des Niedergangs. Die Schule in den
Dienst des Arbeitsgedankens zu stellen, ist eine
wichtige Aufgabe, die der Schulgarten der Zukunft,
der Schülergarten oder der Arbeitsschulgarten, zu
lösen berufen ist. H. Förster, Frankfurt a. M.

Mehr Rücksichtnahme auf den Garten bei Planung

von Siedlungen.*^

1. Was erwarten wir vom Klein-
siedlungswesen ?

Es ist zu unterscheiden zwischen Renten-
gutssiedlungen, die bestimmten Berufs-
gruppen die gewerbsmäßige Ausübung von
Landwirtschaft und Gartenbau im Kleinbetrieb
zur Gewinnung des gesamten Lebensunterhaltes

ermöglichen, und Kleinsiedlungen, die An-
gehörigen aller Berufsgruppen Heimstätten, be-
stehend in Haus und kleinem, für die Erzeugung
des eigenen Bedarfs an Pflanzennahrung aus-
reichendem Garten gewähren sollen.

In die richtige Bahn geleitet, wird das Klein-
siedlungswesen ein wertvolles Hilfsmittel für

*) Die nachfolgenden Forderungen sind im Aufträge der D. G. f. G. von Gartendirektor Bromme,
Frankfurt a. M., Gartenarchitekt Heilig, Offenbach und dem Geschäftsführer aufgestellt und sollen vor-
läufige Richtlinien für die Mitwirkung von Gartenfachleuten bei Siedlungen bilden.

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