Die Gartenkunst — 32.1919

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Aus dem Obstgarten des Jardin Vauban in Lille.
Blick in den Hausgarten mit Wechsel von Pyramiden und Bogen.

Von Gartenarchitekt C. Loether, Hamburg.

Die Wiederbelebung des Formobstgartens
als Mittel künftiger Gartenkultur.

Der Formobstgarten, d. h. der Obstgarten,
welcher in der Hauptsache aus formgerecht
gezogenen Spalieren, Schnurbäumen und der-
gleich Baumformen der Zwergobstkultur zusam-
mengesetzt oder, treffender gesagt, aufgebaut
war, ist uns beinahe einfremderBegriff geworden.
Worauf das zurückzuführen ist? In der Haupt-
sache darauf, daß derartige Gebilde in dem land-
schaftlichen Park, der jahrzehntelang für die
meisten Gartenschöpfungen das Muster lieferte,
sich nur schwer einfügen ließen. Infolgedessen
sind seit geraumer Zeit solche Gärten nicht
mehr geschaffen worden, und die Formobstzucht
selbst und die Kenntnis des Schnittes und der
Pflege der Formbäume, aber auch die Beherr-

schung ihrer künstlerischen Verwendungsmög-
lichkeiten gingen verloren. Auch in den Jahren,
die seit dem Umschwung in den Anschauungen
über künstlerische Gartengestaltung verflossen
sind, hat man sich diesem Zweige der Garten-
kultur noch nicht wieder zugewendet. Wohl sieht
man hier und da Spaliere und wagrechte Schnur-
bäumchen in den neuzeitlichen Hausgärten oder
in den Gemüsegärten größerer Besitzungen ver-
wendet, aber als Mittel künstlerischer Raumge-
staltung im Garten hat man den Formbaum noch
nicht wieder entdeckt.

Wir haben bereits vor dem Kriege auf diesen
Umstand hingewiesen und in Vorträgen und Ver-
öffentlichungen auf diese Lücke hingewiesen, zu-

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