Die Gartenkunst — 32.1919

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Berlin-Steglitz, der sich für den Ausbau der
Dahlemer Gärtnerlehranstalt zu einer Hochschule
für Gartenkunst einsetzte und bei seinen Vor-
schlägen namentlich die Möglichkeit, geeignete
Lehrer infolge der Nachbarschaft: der Technischen
Hochschule in Charlottenburg ohne Schwierigkeit
zu gewinnen, hervorhob, während Gartendirektor
Scherer-Karlsruhe die Forderung vertrat, die
Ausbildung der Gartenarchitekten von den Gärt-
nerlehranstalten zu lösen und dafür Abteilungen
für Gartenkunst an den technischen Hochschulen
einzurichten. Er begründete dies mit besonderem
Nachdruck durch den Hinweis, daß die Garten-
kunst nur dann zu voller Entwicklung gebracht
werden könne, wenn sie aus ihrer immer noch
bestehenden Absonderung heraus in engste
Beziehung zu anderen Künsten, besonders zur
Baukunst, gebracht werde. Fräulein S. Wiehen,
Godesberg, sprach eingehend über die Mög-
lichkeiten, die sich für die Betätigung der
Frauen auf dem Gebiete des Gartenbaues ergeben,
und schilderte auf Grund der Erfahrungen an
der von ihr geleiteten Anstalt den derzeitigen
Ausbildungsgang der Gärtnerinnen und die an-
zustrebenden Vervollkommnungen.

In der Aussprache kam begreiflicherweise
besonders das Interesse der Versammlungsteil-
nehmer an der hochschulmäßigen Ausbildung
der Gartenarchitekten zum Ausdruck. Die Mehr-
heit schien, wie auch eine zur Gewinnung eines
Stimmungsbildes vorgenommene Abstimmung
ergab, im Verhältnis von 4:3 auf dem von Zahn
vertretenen Standpunkt zu stehen. Schließlich
wurde beschlossen, zur Förderung der An-
gelegenheit einen Ausschuß zu bilden, der sich
aus den Herren Barth, Heicke, Kube, Roselius,
Scherer, Singer, Wiepking und Zahn zu-
sammensetzt und den Auftrag erhielt, mit
tunlichster Beschleunigung an das Werk zu
gehen, da begründeter Anlaß zu der Annahme
besteht, daß Entscheidungen, die für die
Frage von Wichtigkeit sind, unmittelbar bevor-
stehen.

Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung
und die damit verbundenen Großmannschen An-
träge riefen eine langandauernde lebhafte, im
Zusammenhänge durchgeführte Aussprache her-
vor, so daß es notwendig wurde, den Abend
noch zu ihrer Fortführung und Beendigung her-
anzuziehen, nachdem die Nachmittagsstunden zu

Vorschlag für die Ausgestaltung der Napoleonschanze
zu Norderney als Krieg erg edächtnisstätte.

Von den während
des Krieges entstan-
denen Kriegerfried-
höfen und Krieger-
gedächtnisstätten
sind diejenigen be-
sonders eindrucks-
voll, die sich einem
alten, bestehenden
Landschaftsbilde ein-
fügen oder an ein
solches anlehnen. Sei
es ein Hügel oder ein
alter Baumbestand,
den sich der Ar-
chitekt und Künstler
zur Umrahmung und
Betonung seiner An-
lage zunutze machte,
stets wird die Eigen-
art der jeweiligen
Landschaft dem
Werke besondere Be-
deutung verleihen.

Eine solche Grund-
lage zur Errichtung
einerKriegergedäht-
nisstätte bietet sich
auf der Insel Nor-
derney in der so-
genannten Napoleon-
schanze, einem von
breitem Wallgraben
undFestungswall um-
schlossenen Platze.
Es geht die Sage,
daß Fischerfrauen in
ihren Schürzen den

Lageplan 1:1000.

Boden fürdieseWälle
zusammentrugen.
Könnte es einen schö-
neren Gedanken ge-
ben, als daß Mütter
mit ihren Händen
die Umwehrung des
Platzes, der den ge-
fallenen Söhnen ge-
weiht ist, zusammen-
getragen haben?Kein
Mensch von Gefühl
wird sich des beson-
dernEindrucks dieses
Platzes, der zudem
noch von knorrigen,
sturmgebeugten Er-
len beschirmt ist, er-
wehren können.

Aus diesem Emp-
finden heraus wird
der Platz auch zur
Abhaltung von Feld-
gottesdiensten er-
wählt worden sein,
eineBestimmung, der
er ja auch in seiner
Eigenshaft als Krie-
gergedähtnisstätte
niht entzogen wird.
Unter dem Zeihen
eines von höhster
Kraft und tiefster
Not des Volkes er-
zählenden Gedenk-
steines wird der Platz
erst reht zu einer
Stätte der Ehrfurht,

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