Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INN EN-DEKORATION

schaffenden Künstler mag der weiteste Spielraum gewahrt
bleiben, auch denen, die von ihren Auftraggebern volle
Freiheit zugesichert bekommen. Immerhin halte ich eine
gewisse Dosis Verantwortlichkeitsgefühl — namentlich
in Hinsicht der Kosten, deren häufige Überschreitung
schon zu den schwersten Schädigungen geführt hat,
auch für den Raumkünstler gut und von hohem, er-
ziehenden Wert. Nicht weniger Kunst, aber etwas
weniger Künsteleien täte hier oft äußerst wohl.

Um alle diese hier berührten Fragen soll sich auch
der Laie kümmern. Es wäre dafür gut, wenn er künftig
sich etwas mehr um Kunstliteratur und Kunstzeit-
schriften, die ihn auf dem laufenden erhalten, kümmerte,
um daraus seinen Geschmack zu läutern und sein
Urteil zu festigen. Das Ziel unserer neuzeitlichen
Wohnkultur - Bestrebungen wird sich so lange nicht ver-
wirklichen lassen, als das kritische Urteil so vieler kunst-
liebenden und kunstnutzenden Laien nicht höher als das
des Kindes steht, dem man eben alles in die Finger
stecken kann ! — dir. otto schulze-Elberfeld.

*

T^\uldet nichts in Eurem Hause, wovon Ihr nicht wißt,
daß es nützlich und glaubt, daß es schön ist,
so wird es Euch schwerlich an Mitteln gebrechen, um
das Notwendige in edler Form zu erstehen, w. Morris.

*

T^\ie Mutter der nützlichen Künste ist die Not, die
•^der schönen der Uberfluß. Zum Vater haben jene
den Verstand, diese das Genie. — Schopenhauer.

*

\Ä/° 'mmer Du ruhen kannst, da schmücke; wo Ruhe
versagt ist, bleibt es auch die Schönheit. — ruskin.

DER WERT DER GÜTEN ARBEIT

r^\ie sogenannte »billige Ware« ist in Wirklichkeit
teurer als die preiswerte, sie bedeutet keine Er-
sparnis, sondern eine Schädigung. Schlechte Ware unter-
gräbt die Ehrfurcht vor den Dingen und nimmt ihnen
ihren erziehlichen Wert. Wahrhaft gute Ware wirkt
wirtschaftlich und sittlich. Sie bewährt sich im
Gebrauch und wird so dem Besitzer lieb; sie wird ein
Mittel der Sparsamkeit, Gewissenhaftigkeit
und Pietät. Sie schafft wieder die schöne und frucht-
bare Tradition des väterlichen Hausrats, jos. popp.

*

\"\ Ter in formloser Umgebung lebt, kann in ihr brav,

* * bieder und treu sein. Künstlerisch wird man
aber nicht, wenn man immer nur zwischen schlechten
Brettern und falschen Ecken existiert ... Es wird nie-
mand einen guten Stuhl herstellen, der nicht selber zu-
hause wenigstens einen guten Stuhl besitzt, f. Naumann.

*

VX/'ohlgetane Arbeit ist Gott ehrlich, dem Menschen
nütz, gut und lieblich. Aber verächtlich Arbeit
zu tun in Künsten ist sträflich und schad und wird ver-
haßt in kleinen als in großen Werken. — albr. Dürer.

*

\^/as bedeutet die korrekteste Zeichnung, der virtuo-

* v seste Vortrag, die blendendste Farbe, wenn ihnen
zu diesen äußerlichen Vorzügen das Innerliche, die
Empfindung fehlt! — max liebermann.

O

b alte oder neue Kunst, — es gibt nur eine
Kunst, die Kunst die lebt. — max liebermann.

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-y.

PROFESSOR EMANUEL V. SEIDL —MÜNCHEN. KÜCHE MIT ABGETEILTEM SPEISERAUM FÜR D. PERSONAL IM HAUSE PRYM - STOLBERG
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