Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INNENDEKORATION

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gesamten inneren
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V/NT CR MITWIRKUNG
VON HERVORRAGENDEN
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HERAUSGEGEBEN V/ND
REDIGIERT VoAf HoFRAT
ALEXANDER KOCH: I

XXIV. JAHRGANG.

DARMSTADT.

JULI 1913.

DAS KAISER FRIEDRICH-BAD IN WIESBADEN

VON DR. WILLY VON GROLMAN IN WIESBADEN

Mit dem am 1. April dieses Jahres eröffneten
Kaiser Friedrich-Badhaus, das die
altberühmte Adler-Kochbrunnenquelle speist, hat
das Wiesbadener Kurviertel seinen ersten von
wirklichem modernen Geist durchdrungenen
Monumentalbau erhalten. Das in eigner Regie
des Stadtbauamts unter Oberleitung des Bei-
geordneten Regierungs- und Baurats Petri und
des Stadtbauinspektors Grün errichtete Haus
ist eine gemeinsame Schöpfung des jungen Stadt-
baumeisters Pauly und des hiesigen Malers und
Innenarchitekten Hans Völcker, welch letz-
terem fast die gesamte dekorative Ausstattung
der Innenräume, gelegentlich auch deren archi-
tektonische Detaillierung oblag. Beide Künstler,
die bereits schon einmal mit Glück gelegentlich
der Erbauung des Krematoriums auf dem Süd-
friedhof zusammenwirkten, haben hier aufs neue
den Beweis einer ungewöhnlichen künstlerischen
Begabung erbracht und der Stadt ein Werk von
vornehm ausgeglichenem Charakter geschenkt.
Das Gebäude ist durch den zwischen Coulin-
straße und Langgasse eingeschobenen großen
Vorplatz ungemein wirkungsvoll zur Anschauung
gebracht (Abb. S. 284) In der Mitte des hier

sichtbaren, von Ruhebänken umgebenen Zier-
gartens wird später eine Brunnenfigur Platz finden.
Kommt man von der Langgasse her, — wo die
angrenzenden Teile des alten Adlerhotels bereits
durch die Stadt eine angemessene Umgestaltung
erfahren haben, während leider das zur Linken
liegende Hotel Continental dieser Korrektur
noch harrt,— so bemerkt man neben dem löwen-
geschmückten Eingangstor zur Rechten den
in seiner straffen Architektur sehr glücklich kon-
zipierten Brunnentempel, in dem die Adler-
quelle für die Zwecke einer Trinkkur gefaßt ist;
eine niedrige von dorischen Säulen getragene
Wandelhalle schließt sich an und zieht sich bis
zum oberen Eingangstor, das gerade der Mitte
der Hauptfront gegenüber liegt, herauf. Durch
die Anlage dieses Vorplatzes sind auch die
Schwierigkeiten des Geländes, die in den außer-
ordentlichen Höhendifferenzen der beiden, das
Terrain einschließenden Straßenzüge gegeben
waren, in sehr geschickter Weise überwunden,
ja der Architekt hat sie für die malerische
Wirkung seines Baues direkt nutzbar zu machen
gewußt. — Die Höhe der Hauptfront ist durch
eine vertikale und horizontale Gliederung in je

1913. VII. 1.
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