Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INNEN-DEKORATION

ÄSTHETIK DER ZWECKMÄSSIGKEIT

Die Harmonie zwischen Zweck, konstruktiven Kräften
und der Form an sich ist, wenn auch erfreulich, so
doch weit davon entfernt, schon eine positiv künst-
lerische Leistung zu sein. Der Sprachgebrauch wendet
allerdings das Wort »schön« auf alles Mögliche an, aber
man darf nicht vergessen, daß dieses Wort meistens nicht
im Verstände der ästhetischen Schönheit, sondern in
einem übertragenen Sinne gebraucht wird. Ästhetisch
können jene »schön« genannten Wirkungen der kon-
struktiven Zweckmäßigkeit nur insofern gewertet werden,
als sie gewisse unästhetische, geschmacklose Verwir-

rungen streng vermeiden; aber diese rein negative Lei-
stung ist noch keine künstlerische Schönheit! Die entsteht
erst da, wo das real Nützliche irgendwie über sich
selbst erhöht worden ist. — Der Monismus verwech-
selt Zweck und Mittel: das Mittel ist ihm Selbst-
zweck, technische Zivilisation ist ihm Kultur, Natur-Er-
kenntnis ist ihm Religion, Wissen von Realien ist ihm
Bildung. Die Kunst ist ihm ein technisches Experiment,
das umso besser gelingen muß, je größer der technische
Fortschritt der Menschheit ist. — Die wissenschaft-
liche Epoche ist indes nur eine große Episode der
Menschheit. Ohne Kunst hat kein Volk in keiner
Zeit gelebt. — oskar a. h. Schmitz im »tag«.

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architekt paul renner-berlin. badezimmer im hause königsberger—schlachtensee. wand bemalt
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