Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INNEN-DEKORATION

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LUCIAN BERNHARD U. P. SCHEUR1CH-BERLIN

SUPRAPORTE IM PR1NCESS-CAFE IN BERLIN

>WIE ERZIELT MAN WOHNLICHKEIT?«

Um einen Überblick über die hauptsächlichsten
Wünsche und Bedürfnisse der verschie-
densten Kreise auf dem Gebiet des Wohnungs-
wesens zu erhalten, richteten wir an unseren Leserkreis
drei Fragen über das Wesen der Wohnlichkeit
und über die Fehler, die bei der Wohnungseinrichtung
wohl am häufigsten begangen werden. Die zahlreichen,
uns freundlichst eingesandten Beantwortungen ergaben
in den Hauptpunkten eine bemerkenswerte Üb er ein -
Stimmung, die sowohl ein erfreulich intensives Studium,
als auch das Einverständnis mit dem in unserer Zeitschrift
in Wort und Bild Gebotenen zeigten. — Von Interesse
ist die immer wiederkehrende Grundforderung nach
Licht, Luft, Sonne, Helligkeit in der Wohnung,
auch die Wichtigkeit der guten Heizung und Venti-
lierung wird häufig betont; die Bedeutung dieser tech-
nischen Grundlagen der modernen Wohnung faßt viel-
leicht am besten Architekt R. Schindler-Wien in den
Gedanken: während dem schutzbedürftigen, primitiven
Menschen ursprünglich das Sicherheitsgefühl in der
vor den Elementen Schutz bietenden engen »Wohn-
höhle« der Hütte, der eng ummauerten Stadt das
Gefühl der »Gemütlichkeit« schuf, gewinne für den mo-
dernen Kulturmenschen dagegen der Begriff der Be-
haglichkeit eine neue Deutung, er bestehe vor allem
in der Möglichkeit, innerhalb des umgrenzten Gebietes
frei über Raum, Licht, Luft, Temperatur ver-
fügen zu können — So gut dieser Gedanke an sich

ist, so bleibt indes doch zu erwägen, daß gerade diese
»beherrschende« Kraft des neuzeitlichen Menschen, die
starke Anspannung im beruflichen Leben als natür-
liches Gegengewicht ein Ausruhen, Sichgeborgenfühlen
in der ruhevollen Atmosphäre der Wohnung erfordert,
und deshalb die »formalen Anklänge, welche Erinnerungen
an jenes Sicherheitsgefühl erwecken«, auch für den mo-
dernsten Menschen ihren Wert niemals verlieren. _

Außer den guten Lichtverhältnissen werden: Harmonie
der Farben in Mobiliar, Wand, Decken und
Bodenbehandlung und die harmonischen Proportionen
der Möbel und Raum-Einteilungen, die zur Er-
zielung der »Raumstimmung« so unentbehrlich sind,
geschätzt. Auch der Gliederung der Räume in gemütliche
Einzelpartien, der Schaffung von »Räumen im Raum«,
ohne den Raum durch diese Zerlegung zu zerreißen,
wird u. a. von Archit. Sprenger - Frankfurt gedacht.
Eine dem »täglichen Gebrauch entsprechende,
zweckmäßige Aufstellung« der Möbel und Gegen-
stande verlangt u. a. Gräfin Stillfried-Dohna in Pots-
dam; »Jedes Stück der Einrichtung charaktervoll,
praktisch eingerichtet und praktisch gestellt«,
Reg.-BaumeisterH.Röttcher-Cöln; »Alles mehr rund-
lich, wie scharfkantig; Übersichtlichkeit und Klarheit des
Ausdrucks in den Räumen«, Frau Hedwig Zapf-
Schwäb.-Hall. Besonders die Frauen, so auch Frau
Lotte von Mendelssohn-Bartholdy-Berlin, plädieren
für das Fortlassen aller Unnötigkeiten und warnen

1913. 1. 6.
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