Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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HERRSCHAFTSKÜCHE DES HAUSES G. IN KÖNIGSTEIN TAUNUS).
ARCHITEKT; BRUNO PAUL—BERLIN.

AUSGEFÜHRT VON
GEBRÜDER ROEDER-DARMSTADT.

DIE KÜCHE IM HERRSCHAFTS-HAUS.

Die Bestrebungen moderner Wohnkultur
galten anfangs nur den Wohnräumen; Küche
und andere Wirtschaftsräume blieben gänzlich
außer Betracht. Es konnte nicht ausbleiben,
daß schließlich auch diese untergeordneteren
Räume Beachtung fanden, zumal sich die Spezial-
fabriken für Kücheneinrichtungen mit Eifer der
neuen Bewegung anschlössen. Besonders die
Kochapparate werden heute in einer technischen
Vollkommenheit hergestellt, welche die noch
vor einem Jahrzehnt gebräuchliche Ausführung
bei weitem übertrifft. Die Entwicklung ging
ähnlicher Weise wie bei der Möbelfabrikation
zunächst von einer unbedingten Zweckmäßig-
keit des Fabrikates aus, alles Nebensächliche
und Überflüssige wurde vermieden, die Kon-
struktion also nur dem praktischen Gebrauche
angepaßt. Für die äußere Ausstattung waren
folgende Gesichtspunkte maßgebend: Alle
Flächen sollen möglichst wenig unterteilt wer-
den und die größte Gewähr für leichte Rein-
haltung bieten, die Beschläge auf das Not-

wendigste beschränkt, dann aber kräftig betont
und unter Vermeidung aller Ecken und Schmutz-
winkel ausgebildet werden. Am zweckmäßig-
sten und geschmackvollsten hat sich die helle
Emaillierung der Flächen und die Vernickelung
der Beschlagteile erwiesen. Die früher be-
liebten buntfarbigen Malereien auf emaillierten
Flächen wurden fast gänzlich ausgeschaltet
und allenfalls nur einfache Striche oder Linien
in ruhigen Farben angewendet.

Hand in Hand mit der allgemeinen Ent-
wicklung der Lebenskultur wuchsen auch die
Ansprüche an die Küche und die Kochapparate
fanden dementsprechend eine Bereicherung der
Einrichtung für die verschiedensten Zwecke.
Während früher ein Kochherd mit ausreichen-
der Kochfläche, Brat- und Backofen für alle
Zwecke dienen mußte, werden jetzt besondere
Apparate zum Rösten, Braten am Spieß, Grati-
nieren verlangt, außerdem aber auch für die
Warmhaltung der Speisen vor und während
des Anrichtens durch Wärmschränke, Wärm-
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