Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INNEN-DEKORATION

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architekt emil fahrenkamp —düsseldorf speisezimmer mit kam1nn1sche. entwurf

ARBEITEN VON E. FAHRENKAMP - DÜSSELDORF

In Düsseldorfs Kunstleben fühlt man das Wirken einer
guten Tradition. Die Stadt ist in künstlerischer Hin-
sicht nicht Provinz, sondern Mittelpunkt, ein fesselndes
Beispiel für die Treue, mit der der gute Genius der
Kunst an einer einmal gewählten Stätte festhält. Die
ganze Stimmung der Stadt ist fühlbar künstlerisch. Etwas,
wie man beim Wein sagt, »Spritziges« liegt über ihr, im
Bug der Straßen, im heiteren großstädtischen Strömen
des Verkehrs zwischen den blumigen Ufern der Anlagen,
in dem weiträumigen, mild-großen Stadtbilde an dem
lebensvollen Strom. Aus dieser Gesamtheit wuchs dieses
Jahr die »Große Kunstausstellung« dem Besucher leicht
und ungezwungen als Krönung heraus. Wir kommen auf
diese Ausstellung heute mit einigen Abbildungen nach
Arbeiten des Architekten E. Fahrenkamp, Fach-
lehrers an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, zurück.
Es ist das Speisezimmer in dunkel gebeiztem Maha-
goni, eine ansprechende, geschmackvolle Leistung von
solidem, modernem Geiste. Als Außenarchitekt hat sich
Fahrenkamp in Düsseldorf schon einen gewissen Namen
gemacht. Er verfügt über einfachen, klaren Formenaus-
druck, Eigenschaften, die auch bei diesem Speisezimmer
hervortreten. Der Bau und die Anordnung der Möbel
sind ganz in architektonischem Geiste. Als geschlossener,
gebauter Körper steht das Büfett an der Wand, ohne
Füße, massiv und wuchtig, mehr ein Gebilde aus Stein
als aus Holz. Rechts und links davon stehen die dunklen

strahlenden Flächen der Türen symmetrisch in der Wand,
und ebenso kühl-repräsentativ ist Wirkung und Vertei-
lung der übrigen Möbel. Der schwarz-weiß gestreifte
und mit Buketts überstreute Wandstoff verstärkt den vor-
nehmen, zurückhaltenden Eindruck, während die liebens-
würdige Fensterverkleidung mit ihren duftigen Stoffen,
ihren leichten Raffungen und lebhaften Volants eine Note
heiterer Eleganz, die originelle Kaminnische mit reich
ornamental ausgebildetem Marmorkamin einen wärmeren,
volleren Akkord in den Raum bringt. Eine lustige, un-
terhaltsame Sache ist der reich geschnitzte Spiegelrahmen
mit seinem ornamentalen und figürlichen Schmuck. Jeden-
falls ruht die Innenkunst E. Fahrenkamps auf einer soli-
den, rechnerischen Grundlage; man glaubt zu fühlen, daß
genaue geometrische Berechnung allen Abmessungen,
allen Beziehungen der Massen zugrunde liegt. Das läßt
sich auch aus den Schülerarbeiten seiner Fachklasse er-
sehen, die sich deutlich erkennbar auf klarem, geomet-
rischem Kalkül aufbauen. — g. h.

*

\Ä/ir müssen erst aus Erfahrung lernen, was wir wollen
und was wir können: bis dahin wissen wir es nicht,
sind charakterlos und müssen oft durch harte Stöße von
außen auf unseren eigenen Weg zurückgeworfen wer-
den. — Haben wir es aber endlich gelernt, dann haben
wir erlangt, was man in der Welt Charakter nennt, den
erworbenen Charakter. — Schopenhauer.
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