Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INNEN-DEKORATION

ARCH1T. PHILIPP SCHAEFER—DÜSSELDORF. HERRENZIMMER IM HAUSE A. S. IN DÜSSELDORF. MAKASSAR-EBENHOLZ

AKTIVITÄT DES KUNSTGENUSSES

Kant hat den Begriff geprägt, vor ihm und nach ihm
war die mit ihm verbundene Anschauung im Schwang,
die Anschauung nämlich, daß beim ästhetischen Genüsse
der »Wille«, das Affektleben,' ganz ausgeschaltet sei. —■
Laien haben diese Anschauung gelegentlich nicht selten
bestritten; die Wissenschaft, die durch ihre Grund-
funktion des Begriffbildens dem unmittelbaren Leben
ferner gehalten wird, kam erst verhältnismäßig spät zur
Verwerfung des »interesselosen Wohlgefallens«. Heute
steht es jedenfalls fest, daß der Mensch im ästhetischen

Verhalten nicht leidend, sondern sehr tätig ist und daß
in dieser Tätigkeit gerade die wertvollsten Kräfte seines
Wesens wirksam werden; daß ferner der ästhetische Ge-
nuß, wenn er wirklich intensiv ist, unter allen Begleit-
erscheinungen der Aneignung, der Erraffung seelischen
Gutes verläuft, daß mithin von einer Ausschaltung des
»Willens« dabei keine Rede sein kann. Es ist in der Tat
eine widersinnige Konstruktion: Was so unmittelbar der
Steigerung des Lebensgefühles dient wie der Kunst-
genuß, sollte mit dem »Willen« nichts zu tun haben! Als
ob der Mensch ein stärkeres »Interesse« haben könnte
als Steigerung seiner Lebens-Intensität. Als ob auf dieses
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