Eckhardt, Anton [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (4,1): Bezirksamt Dingolfing — München, 1912

Page: 178
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KUNSTSTATISTISCHE ÜBERSICHT.

I. BAUKUNST.
i. Kirchliche Bauten.
Einheitlich romanische Kirchen sind im Bezirke nicht mehr vorhanden. Die
Zahl jener, bei denen romanische Bestandteile nachgewiesen werden können, ist ver-
hältnismäßig groß (16). Mehrere davon sind in den Langhausmauern romanisch,
während der Chor einer späteren Stilperiode entstammt (Bubach, Dornwang, Engel-
mannsberg, Gottfrieding, Haberskirchen, Loiching, Marklkofen, Kapelle in Nieder-
viehbach). An zwei Kirchen schließt sich an das Schiff eine halbrunde Apsis
(Gummering, Moosthenning), viermal ein eingezogener quadratischer oder recht-
eckiger Chor (Frichlkofen, Griesbach, Lengthal, Seemannskirchen; vielleicht gehört
auch Failnbach hierher). An zwei Kirchen ist nur der Turm bezw. dessen Unterbau
romanisch (Obertunding, Reisbach); in Obertunding befindet sich im Untergeschoß
des massigen Ostturmes der Chor, in Reisbach ist der außergewöhnlich massige
Turm (mit Aufgang in der Mauerdicke) dem Langhaus westlich vorgelagert. Diese
Stellung des Turmes ist in der romanischen Stilperiode die häufigste, in unserm
Bezirke ist sie jedoch bei romanischen Türmen außer in Reisbach nur noch in Gott-
frieding vorzufinden. Die im Unterbau ebenfalls noch als romanisch geltenden Türme
in Bubach, Frichlkofen und Marklkofen stehen nördlich neben dem Chor, eine
Stellung, die später in der Gotik besonders beliebt ist. In Moosthenning entwächst
der Turm der Apsis, indem die östliche etwas abgeflachte Rundung der Apsis un-
vermittelt in die gerade Ostmauer des Turmes übergeht.
Romanische Wölbungen haben die Apsiden in Gummering und Moosthenning
(Tonne und Halbkuppel) sowie das Turmuntergeschoß in Reisbach (Kreuzgewölbe)
aufzuweisen.
Als Baumaterial der romanischen Kirchen kommt in der Hauptsache Nagel-
fluh und Backstein in Betracht. In Nagelfluhquadern sind, soviel sich bis jetzt fest-
stellen ließ, die Kirchen in Dornwang, Engelmannsberg und Frichlkofen errichtet.
In Gottfrieding und Loiching wurde Nagelfluh im Unterbau des aus Backsteinen er-
richteten Langhauses mitverwendet. In den Türmen von Frichlkofen und Ober-
tunding (hier neben dem Backstein als Füllung im Innern) ist unregelmäßig geschieh-
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