Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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RUDOLF GROSSMANN, BILDNISSTUDIE. RADIERUNG

MIT ERLAUBNIS VON PAUL CASSIRER, BERLIN

die kurzsichtige Forderung recht eigentlich der Ast abgesägt,
auf dem sie sitzen. Oder sie werden vom Kunsthändler
gezwungen, fortan nur noch durch seine Vermittelung zu
verkaufen und sich mit ihrer ganzen Produktion ihm ein
für allemal auszuliefern. Es ist ja Mode geworden, auf den
Kunsthändler zu schimpfen und seine Bedeutung tendenz-
voll zu unterschätzen. Die Künstler werden finden, wie
töricht es ist, auf solchem Gerede eine Berufspolitik zu
gründen; und sie werden in kurzem, dann aber vergebens,
nochmals eine Änderung des Gesetzes wünschen.

Die Interessen der Künstler zu vertreten, ist ein un-
dankbares Geschäft. Sie sehen, wie die Kinder, nur das
Nächste. Sie rufen immer nach Hilfe, und hören doch nie
zur rechten Zeit verständigen Rat. Man kann wohl kaum
behaupten, daß diese Unklarheit den eigenen wirtschaftlichen
Interessen gegenüber zum Wesen des Talents gehört; aber
vielleicht ist auch sie ein Symptom des Auflösungsprozesses
der Kunst, den wir erleben. K. Sch.

ANDERS ZORN f

Am 22. August ist Anders Zorn, sechzigjährig, auf
- seinem Landsitz in Mora verstorben. Zorn war am
18. Februar 1860 in Mora, einem Dorf der schwedischen
Provinz Dalarne als Sohn eines bayerischen Bierbrauers
und einer eingeborenen Bäuerin geboren. Früh zeigte
sich seine künstlerische Neigung, und schon dem Fünf-
' zehnjährigen gelang es, sich Eingang in die Stockholmer
Zeichenakademie zu verschaffen. Eine Schülerausstel-
lung brachte ihm den ersten Erfolg-und mit einer An-
zahl Porträtaufträgen die Möglichkeit weiterer Ausbil-
dung, die er seit 1881 auf Reisen suchte, welche ihn bis
nach Spanien, Marokko und Algier führten. In London,
wo er 1882 seinen ständigen Wohnsitz nahm, machte
ihn der Radierer Axel Hermann Hägg mit der Kunst der
Kupferätzung vertraut, der Zorn seine Haupterfolge
danken sollte. Nach Anfängen, die auf den Einfluß
Herkomers hinweisen, scheint Zorn seit etwa 1884 von
Albert Besnard in Paris die entscheidenden Anregungen
empfangen zu haben. Er bildet die freie und offene
Strichtechnik aus, der er durch sein Leben treu ge-
blieben ist. Zorn besaß ein ausgeprägtes Gefühl für die
Reinheit der künstlerischen Technik. Er verschmähte
alle Mischverfahren, die kalte Nadel ebenso wie die
Aquatinta. Er spielte auf seinem Instrument wie ein
echter Virtuose, und er hielt sich gewiß auch nicht frei
von Fehlern eines jeden Virtuosentums. Der Reiz sei-
ner Arbeit erschöpft sich in der blendenden Mache, dem
eleganten und geschmeidigen Strich, aber den Beschauer
packt nicht die Mitteilung eines starken Erlebnisses, die
nur von einem Künstler ausgeht, der selbst von der
Außenwelt heftig ergriffen wurde.

Zorn, der sich in dem väterlichen Dorfe einen welt-
männischen Wohnsitz geschaffen hatte, verbrachte
einen großen Teil seines Lebens auf Reisen zwischen
den europäischen und amerikanischen Hauptstädten.
Bildnisaufträge riefen ihn bald nach London, bald
nach New York. Er gehörte zu den beliebtesten Porträt-
malern der internationalen eleganten Welt, wie auch
sein Ruf als Radierer früh schon weit über die Grenzen
seiner engeren Heimat hinaus gedrungen war, und die Drucke
seiner Platten Preise erzielten, die nur selten für die Arbeiten
lebender Künstler gezahlt wurden. Zorn, der sich gelegentlich
auch als Bildhauer betätigte — am glücklichsten in kleinen
Figürchen seiner weiblichen Aktmodelle aus Dalarne — führte
als Maler einen geschmeidigen Strich und nutzte mit Ge-
schmack die warmen Töne einer wesentlich auf die Skala von
einem blonden Braun zu einem stumpfen Rot beschränkten
Palette. Er bildete ähnlich wie als Radierer auch als Maler
eine elegante, aber gleichbleibende Manier, der eine künstle-
rische Entwicklung im höheren Sinne versagt bleiben mußte.

Das Berliner Kupferstichkabinett veranstaltete eine Ge-
dächtnisausstellung der Radierungen Anders Zorns. G.

ALBERT VON KELLER f

A /Tehr und mehr lichtet sich die Reihe derer, die teil-
_L'_L genommen haben an der Glanzzeit der Münchener
Malerei in den siebziger Jahren, die man, wenn auch im

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