Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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«UKTIONSNACHRICHTEN

Versteigerung der Graphik-
Sammlung des Herrn Paul
Davidsohn. Zweiter Teil.

22—26 November 1920. Bei C.
G. Börner in Leipzig.

In der zweiten Auktion David-
sohn, die von Claude (Gelee) Lorrain bis Marc Anton Rai-
mondi reichte, fehlte der große Mittelpunkt, den vor einem
halben Jahre die erste Sitzung in Dürer gehabt hatte. Lucas
von Leyden und Mantegna, Claude Lorrain und Nanteuil,
Ostade und Marc Anton waren die Höhepunkte, wenn man
von Wenzel Hollar und einigen Spezialitäten, wie Hirschvogel
und Lautensack absieht. Unter den Käufern saßen viele Aus-
länder, aber auch das Münchener Kupferstichkabinett konnte
in großem Stile kaufen. Die Preise entsprachen im Allge-
meinen den Erwartungen, bewegten sich meist um die
Höhe der Schätzungen herum, blieben hie und da hinter
ihr zurück und überstiegen sie nur bei ganz großen Quali-
täten oder sehr begehrten Seltenheiten.

Von den Italienern, für die das Ausland besondere
Neigung bekundete, war natürlich Mantegna am meisten
geschätzt. „Christus in der Vorhölle" brachte in herrlichem
Druck 13 700 Mark, „Christus zwischen Andreas und Longinus"
43000 Mark, trotzdem das Blatt nicht ganz tadelfrei war.
Mocettos Tritonenfries brachte 14000 Mark. Ein un-
beschriebenes Niello, „Triton und Nymphe" ward mit
5100 Mark zugeschlagen, die „Krönung der Maria" (D. 42.)
mit 6200 Mark. Sehr hoch ging Marc Anton. Der „Gitarre-
spieler" kostete 9000 Mark, die „Dido" 10000 Mark und
das Genreblatt der blumenbegiessenden Frau gar 25 000 Mark.

Unter den Franzosen waren einige Porträts von Masson
und Nanteuil recht umstrittene Objekte. Massons „Henri
de Lorraine" stieg auf 5200 Mark, Nanteuils „Hardouin de
Perefixe ebensohoch", verschiedene Platten des Louis XIV.
auf 4000 resp. 4500 Mark. Den Rekord schlug Henri de
La Tour dAuvergne mit 5600 Mark. Bei Claude Lorrain
schwankten die Preise. Die „Furt und der Sturm" hielten
sich unter 1000 Mark. Das „Forum" brachte 2600 Mark,
die „Neptunstatue" 1800 Mark, das „Fest in Rom" 3300,
der „Tanz" 4300, der „Raub der Europa" 4600, „Hirt und
und Hirtin" 7000, und der „Rinderhirt 7900 Mark.

Berühmt warenDavidsohnsHolländerdes 17. Jahrhunderts,
Ruisdael kommt erst im dritten Teil, aber Ostade war an
der Reihe. Es wurde nur nach Tausenden gerechnet. Von
der Spinnerin kostete der dritte Zustand 3300 Mark, der
zweite 6200, der erste 12500 Mark. Für gute Drucke mußte
man durchschnittlich 4000 Mark anlegen, ein-erster Zustand
der „Familie" stieg bis auf 10500 Mark, ein solcher vom

„Fest unter dem Baume" auf 18000. Mark, und ein vierter
Zustand des „Frühstücks" sogar auf 24500 Mark. Alles
natürlich in wundervoller Qualität. Für Seltenheitspreise
ein Beispiel: Die „Ansicht von Lille" von Gillis Neyts,
einem Schüler von Lucas von Uderi, der nur wenig radiert
hat, mußte in einem ersten Zustande mit 7300 Mark honoriert
werden.

Auch Lucas von Leyden, dessen frühe Drucke sehr selten
sind, war ziemlich teuer, oft weit über den Taxaten.
„Adam und Eva": 3900 Mark, der „Sündenfall": 6100 Mark,
„Ruhe auf der Flucht": 5300 Mark, „Abraham und die
drei Engel": 8500 Mark, „Auferweckung des Lazarus":
10300 Mark, "Simson und Dalila": 19500 Mark. Von
Goltzius waren naturgemäß die Bildnisse am begehrtesten:
„Sohn des Frisius": 3300 Mark, „Selbstbildnis": 6700 Mark.
Der berühmte „Fahnenträger ward mit 1600 Mark zu-
geschlagen.

Endlich die Deutschen. Israel von Meckenem stand,
als Primitiver, am höchsten. „Lucrezias Tod": 9200 Mark,
„Verkündigung": 10500 Mark, „Lautenschläger und Harfen-
spielerin": 14000 Mark, „Marientod": 21000 Mark. Von
den Kleinmeistern kamen der Meister I. B. und Georg Pencz
vor, die man neuerdings wieder mit Friedlaender, (m. E.
mit Unrecht), für ein und dieselbe Person zu halten scheint.
Von Pencz kostete „Abraham und Hagar" 2200 Mark, die
„Bekehrung des Saulus" 1450 Mark, der „Bacchuszug" 2800
Mark. Einzelblätter von I. B. wurden folgendermaßen be-
zahlt: „St. Lucas": 1550 Mark, das „Los der bösen Zunge":
1200 Mark, der „Marktbauer": 1550 Mark, eine „Dolch-
scheide": 1600 Mark und die „Weinlese der Kinder", das
große Querblatt: 5000 Mark. Ornamentstiche des Meisters
mit den Pferdeköpfen für Dolchscheiden kosteten 7000 und
7400 Mark.

Die Landschaften von Hirschvogel und Lautensack, den
Nürnberger Nachfolgern des Wolf Huber und Altdorfer,
fanden starkes Interesse. Während eine Landschaft von
Huber mit 2100 Mark wegging, stiegen die Radierungen
von Lautensack von 3000 bis auf 8300 Mark, die von Hirsch-
vogel, dem feineren der beiden, bis auf 9800 Mark, eine
sogar (B. 74) bis auf 19200 Mark.

Bei Hollar war die Nachfrage verschieden. Einige Bild-
nisse, wie der unbeschriebene „Thomas Parr" und der
„Ritter des goldenen Vließes" brachten es auf ca. 2000 und
3000 Mark, die Vierblattserien der kleinen Landschaften
ähnlich, die „Kirche von Antwerpen" auf 2600 Mark, die
„Londoner Börse" auf 2800 Mark. Für das reizende Mode-
blatt mit den Pelzsachen und Muffen mußte ein Liebhaber
1000 Mark bezahlen. E. W.

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