Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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NEUE FUNDE AN SPÄTEN BILDNISSEN REMBRANDTS

VON

WILHELM VON BODE

Der Krieg hat auch dem Kunstbesitz der Privat-
sammler arg mitgespielt; bei den Unterlegenen
-wie bei dem triumphierenden Neunzehnländerbunde,
das eine Amerika ausgenommen. Während der
Kriegsjahre, vor allem aber seit dem famosen
„Frieden" ist die Abwanderung guter Kunstwerke
nach den Vereinigten Staaten immer größer ge-
worden. Seit einigen Monaten ist darin freilich
eine Stockung eingetreten; sie ist aber sicher nur
eine vorübergehende. Die großen Lager an alten
Gemälden, die namentlich an den neutralen Stapel-
plätzen: im Haag und in Luzern, aber auch sonst
an den alten Kunstmärkten aufgespeichert sind,
•werden sich sofort wieder nach Amerika entleeren,
sobald die jetzige internationale Wirtschaftskrisis
eine Lösung gefunden hat.

So sehr die außerordentliche Steigerung der
Preise alter Kunstwerke und die damit verbundene
Jagd auf wenig bekannte oder versteckte Meister-
werke in Privatbesitz und ihre Abwanderung aus

Europa zu beklagen ist, das eine Gute hat sie ge-
habt: sie hat uns wieder mit einer ganzen Reihe treff-
licher Werke, die verschollen oder überhaupt unbe-
kannt waren, bekannt gemacht. Namentlich gilt dies
von Gemälden Rembrandts. Im Supplementband
zu meiner großen Rembrandt-Publikation hatte ich
zu den 539 in den ersten sieben Bänden veröffent-
lichten Bildern im Jahre 1905 weitere 56 Bilder hin-
zufügen können. In einem neuen Supplementband,
den ich mit der Firma Charles Sedelmeyer jetzt
vorbereite, werden wieder mehr als hundert Ge-
mälde Rembrandts, die uns bisher unbekannt oder
die aus dem Auge verloren waren, in Bild und
Text veröffentlicht werden. Als Probe seien hier
ein paar Bildnisse vorgeführt, die den letzten
Jahren des Künstlers angehören und die zu seinen
Meisterwerken zählen.

Die lebensgroße Halbfigur eines ältlichen,
sitzenden Mannes mit aufgedunsenem Gesicht,
einem breiten Hut über dem hellen Haar, war zu-

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