Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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VOM HOTEL DE BIRON NACH ISSY UND MARLY LE ROI
DIE FRANZÖSISCHE KUNST SEIT I 9 I 4

von

OTTO GRAUTOFF

Das musee du Luxemburg ist kaum verändert. Der
große Skulpturensaal ist noch wie früher eine Sammei-
stätte vielfältiger Übungen in Marmor. Rodins Kuß, der nie
dahin gehörte, steht nicht mehr dort. Die Sammlung
Caillebotte hängt heute in dem ihr ehemals gegenüber-
liegenden Raum, in dem vor 1914 u. a. Whistlers Mutter
zu sehen war. Der ausgeräumte Saal ist dem jüngeren Ge-
schlecht gewidmet. Da hängen Bilder von Signac, Flandrin,
Marquet, Guerin, Lebasque, Laprade, Zingg u. a. In den
hinteren Räumen ist ein Degas-Saal neu mit dem herr-
lichen Familienporträt, mit dem Semiramis-Entwurf und
einigen Pastellen. Auch Adolphe Julliens Geschenk: Fantin-
Latour, „Autour du piano" aus dem Jahre 1885 findet
man hier.

Das Wunder aller Wunder ist das Rodin-Museum im
Hotel de Biron in der rue de Varenne. Das einstöckige
Landhaus ist von den störenden Nebengebäuden befreit,
die, im lieblosen Nutzbaustil des neunzehnten Jahrhun-
derts, den originalen Baukörper drückten. Die vollständig
erhaltene Fassade kommt erst jetzt wieder in ihrer vor-
nehmen Schlichtheit und in ihren schönen Proportionen
auguste rodin, die frau des Künstlers zu voller Wirkung. Die zarte Grazie des Jacques Jules

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