Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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UNSTAUSSTELLUNGEN

BERLIN

Bei Fritz Gurlitt konnten wir end-
lich den Münchner Maler Richard See-
wald näher kennen lernen. Er gehört
einer Gruppe Münchner Maler an, die der Berliner Gruppe

macht sich bemerkbar. Auch.Seewald wirkt als Maler etwas
träge, man vermißt lebendige Unmittelbarkeit. Es erfüllt
sich in ihm wieder das Münchner Malerschicksal: der Re-
volutionär gleitet unversehens in eine geruhige Atelier
Stimmung hinein. Und mit ihm tun es alle seine Genossen.
Er gleitet sogar derb ins Kunstgewerbliche hinein, dabei

EDVARD MÜNCH, HAUS IN LÜBECK

von Pechstein, Otto Müller, Heckel usw. entspricht; zu ihm
gehören Talente wie Edwin Scharff, Oscar Coester, das
Ehepaar Caspar, Unold u.a. Sie alle sind, wie ihre Genossen
in Berlin, Träger eines revolutionär gefärbten, persönlich
verschieden begabten Epigonentums. Doch wirken die
Berliner im ganzen frischer, unbefangener und intellektuell
beweglicher. Es macht sich bemerkbar, daß diese Maler
in der Reichshauptstadt sich neben Liebermann, Corinth
und Slevogt behaupten, zugleich sich der Angriffe radi-
kalerer Künstler fortgesetzt erwehren und daß sie darum
das Letzte aus sich herausholen müssen. Die Malergruppe,
der Seewald angehört, lebt weniger angefochten; und das'

hat Seewalds Malerei aber höhere Prätentionen: sie kommt
angeblich von Cizanne her. Mit Hilfe des Tiers versteigt
Seewald sich sogar zu Lebenssymbolen. Und bleibt doch
im Gobelin, in der Tapete, in der Dekoration stecken. Der
erste Anblick der Bildermenge mit der starken blau-grünen
Dominante gibt gleich schon den Eindruck des paletten-
mäßig Dekorativen. Bei näherer Betrachtung findet man
dann wohl manches vor der Natur gut Beobachtete und
wirkungsvoll Gestaltete. Doch handelt es sich in keinem
Fall fast um Bilder. Der Rahmen umschließt nicht eine fest
in sich geformte Einheit; vielmehr sind diese Waldansichten,
die italienischen und bayrischen Landschaften, die Stilleben

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