Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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ERNST BARLACH, SKIZZE ZU DEN OBEREN TEILEN EINES KAMINS

NEUE HOLZSKULPTUREN VON ERNST BARLACH

VON

KARL SCHEFFLER

Wir profitieren vorläufig nicht viel von der
Tatsache, daß eine Reihe wertvoller Skulp-
turen von Ernst Barlach existieren. Die Werke
des in charaktervoller Einsamkeit lebenden Künstlers
sind fast alle im Besitz eines einzigen Kunsthändlers.
Dieser stellt sie von Zeit zu Zeit aus, hält sie im
übrigen aber so fest, daß kaum ein einziges Deut-
sches Museum Arbeiten Barlachs zeigen kann. Und
doch möchte man eben diesen Plastiken die Öffent-
lichkeit wünschen, weil Barlach unter den leben-
den Bildhauern vielleicht der deutscheste ist und
der einzige fast, der mit rein plastischen Mitteln
etwas unmittelbar Menschliches ausdrücken kann.
Neben ihm wirken alle anderen Bildhauer wie
Mitglieder einer unsichtbaren Akademie, sie alle
scheinen mehr der Berufskonvention hingegeben.

Bedeutungsvoll ist es schon, daß Barlach fast nur
in Holz arbeitet. Ihn interessiert in der Plastik
etwas anderes als das, was etwa Hildebrand,
Rodin, Maillol, Haller oder Lehmbruck interessiert.
Er ist ein Dichter mit dem Schnitzmesser; er ge-
horcht nicht zuerst überlieferten Formvorstellungen
und einem Stilsystem, sondern menschlichen Im-
pulsen. Und ist doch' ein Beherrscher der Form
und der Technik wie wenige; freilich nur jener
Form und Technik, die er als eigenstes Ausdrucks-
mittel braucht. Nichts ist er weniger als Eklek-
tizist. Kein deutscher Bildhauer kümmert sich so
wenig um die Lehre Winckelmanns und Lessings
von der griechischen Schönheit; in ihm ist kein
Tropfen Epigonenblut. Doch gehört er auch
wieder nicht zu den Neuerern, die die eine Aka-

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