Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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MANNHEIMER SCHLOSS. STUCKARBEIT IM LESEZIMMER

PHOTOGR. H. LILL, MANNHEIM

UNSTAUSSTELLUNGEN

BERLIN

Im Kronprinzenpalais sind sechs
Säle einer Gedächtnisausstellung für
den siebenundzwanzigjährig gefallenen Maler August Macke
eingeräumt worden.

Ein Mißgriff mehr! Macke war ein kleines, gebrech-
liches, frauenhaft schwankendes und verführtes Talent.
Er hatte eine gewisse Gefälligkeit, aber auch die äußert sich
banal. In den meisten Fällen ist die Unsicherheit und Hilf-
losigkeit der Aufgabe gegenüber mitleiderregend. Seine
Malerei wird in wenigen Jahren spurlos verschwunden sein.

Es passiert ja oft, daß die Freunde eines Künstlers das
Menschliche und das Künstlerische nicht auseinanderhalten
können. Darüber sieht man gern hinweg. Der Leiter der
Berliner Nationalgaleric aber muß dazu imstande sein. Er
hat in diesem Fall einmal mehr bewiesen, daß er nicht im
entferntesten weiß, was eigentlich Kunst ist. Er sieht alle
Dinge nur kunstpolitisch, und zwar in einer demagogischen
Weise, die katastrophal ist.

Über den jung Gestorbenen, der eine liebenswürdige
Natur gewesen sein muß, möchte man gern freundliche
Worte sagen; oder man möchte mit menschlicher Sympathie

über ihn schweigen. Ludwig Justi aber macht jede Reserve
unmöglich; er tat mit dieser Ausstellung dem, den er ehren
will, schweres Unrecht an.

Bei Ferdinand Möller hat die zurzeit obdachlose Freie
Sezession eine kleine Schwarz-weißausstellung eröffnet. An-
spruchslos und sympathisch. Die Ausstellung ist nur mit
zu viel Bequemlichkeit gemacht worden insofern, als man
sich begnügt hat, das leicht Erreichbare auszustellen. Man
sollte sich aus allem, selbst aus dem kleinsten, eine Auf-
gabe machen und nichts konventionell behandeln.

Es interessieren besonders Zeichnungen von Ernst Bar-
lach, einige Radierungen von Erich Heckel und Lehmbruck,
die Graphik Rudolf Grossmanns, Bildniszeichnungen von
Kokoschka, Zeichnungen von Alfred Kubin, Radierungen
von Max Liebermann und Hans Meid, und einzelne Blätter
von Pechstein, Walser und Röhricht. Unter den Frauen-
arbeiten fällt ein Bildniskopf von Augusta von Zitzewitz und
ein Interieur von Hedwig Weiß angenehm auf. Plastik ist
wenig da. Hübsch ist ein auf der Eselin reitender Christus
von Richard Scheibe. Und anmutig sind die kleinen Tier-
plastiken von Renee Sintenis.

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