Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 19.1921

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ADAM ELSHEIMER, DER VERLORENE SOHN. ZEICHNUNG

AUS BODE: ELSHEIMER, HUGO SCHMIDT VERLAG, MÜNCHEN

NEUE BUCHER

Adam Elsheimer, der römische Maler deutscher Nation
von Wilhelm von Bode. Hugo Schmidt Verlag, München.

Die Aufforderung der Verlagsbuchhandlung Hermann
Schmidt in München, mich an der Folge ihrer „Bilder-
breviere" mit einer Künstlermonographie zu beteiligen,
konnte mich nicht besonders reizen; hatte ich doch selbst
nicht lange vorher in meinen „Meistern der holländischen
und vlämischen Schulen des siebzehnten Jahrhunderts"
eine Folge solcher kurzer Künstlerbiographien in einem größe-
ren Bande zusammengestellt. Da fiel mir aber ein, daß ein
deutscher Kleinmeister, dem ich meine besondere Liebe zu-
gewandt hatte, seitdem ich, noch als Jurist, mich mit dem
Kunststudium ernstlich zu beschäftigen begann, und auf den
ich durch Erwerbungen, die ich für unsere Galerie oder
andere Sammlungen machen konnte, immer wieder hin-
gewiesen wurde, selbst im Kreise der' Freunde alter Kunst
eigentlich nur dem Namen nach bekannt ist; und doch
verdient er, wie wenige andere deutsche Maler, auch im
großen Publikum gekannt zu werden, verdient er die be-
sondere Verehrung und Liebe gerade bei uns Deutschen.
•So entschloß ich mich zu diesem „Brevier" über A.Elsheimer.

Meine besondere Liebe zu Elsheimer war, so alt sie ist,
entschieden eine unglückliche Liebe Als ich vor etwa vierzig
Jahren gleich in der ersten Hälfte unseres damals gerade be-
gründeten „Jahrbuchs der preußischen Kunstsammlungen"
verschiedene Aufsätze über Elsheimer veröffentlicht hatte,
wurde mir vorgeworfen, ich hätte „mit Kanonen nach einem
Spatzen geschossen; solche Anstrengung verdiene der kleine
Miniaturmaler doch wahrlich nicht". Unglücklich war meine
Liebe auch darin, daß ich für unsere Galerie nach und nach
verschiedene kleine Gemälde als Werke Elsheimers erwarb
und als solche veröffentlichte, die ich selbst später als wahr-
scheinliche Arbeiten seiner Nachahmer Saraceni, Uijtenbroeck

und König nachweisen mußte. Unglücklich äußerte sich
meine Liebe auch darin, daß ich dagegen für andere Samm-
lungen, wie für die Galerie in Kassel und (indirekt) für das
Leipziger Museum, Ankäufe von echten und besonders
schönen Bildern des Meisters vermittelte. Schließlich war
aber mein Liebesmühen doch auch für unsere Galerie er-
folgreich, indem ich ein naar der interessantesten Gemälde
Elsheimers erwerben konnte, darunter wohl das schönste
Bild, das er überhaupt gemalt hat, den heiligen Christoph.

Es liegt gewiß nahe, aus diesen Tatsachen die Folgerung
zu ziehen, daß ich die Erwerbungen der' Bilder zu rasch
und unvorsichtig und meine Veröffentlichungen über Els-
heimer ohne die genügende Vorbereitung gemacht hätte.
Doch sind jene drei Bilder, die jetzt als Werke Saracenis und
Uijtenbroecks gelten dürfen, Arbeiten, die durchaus galerie-
würdig sind — daß sie zusammen nur rund 1600 Mark ge-
kostet haben, wäre allein noch keine Rechtfertigung für
den Erwerb — und die zugleich durch den engsten Anschluß
an Elsheimer auch für dessen Kenntnis von besonderem
Interesse sind; und die beiden anderen Bildchen: das „Opfer
Noahs" und „Pan und Syriax", die möglicherweise von der
Hand des Johann König stammen, sind als Kopien dieses
Schülers nach verlorenen Originalen seines Meisters auch
für diesen von Wert, abgesehen von ihrer Bedeutung für
unser deutsches Museum als Werke der an guten Bildern
so armen Zeit des deutschen Barocks. Was aber meine
wiederholten Veröffentlichungen über Elsheimers Werke be-
trifft, von deren Resultate ich einzelne später selbst als
zweifelhaft nachweisen konnte, so sind sie trotzdem nicht
überflüssig gewesen, da sie die Kenntnis Elsheimers und
des großen Kreises seiner Nachfolger weiter gefördert
haben, wenn sie die Forschungen über den Künstler auch
gewiß noch nicht zum Abschluß brachten. Ein solcher Ab-

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