Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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HERMANN HALLER, BÜSTCHEN. BRONZE. 1920

MIT ERLAUBNIS DER GALERIE LUTZ & CO., BERLIN
PHOTOGRAPHIE DER STAATLICHEN BILDSTELLE

Aber mit den fast überall gebräuchlichen Bronze-
güssen, die doch nichts weiter sind, als mechani-
sche Reproduktionen eines Gipsmodells, wird man
seine Arbeiten nicht verwechseln. Er ist ein er-
fahrener, von Grund aus durchgebildeter Bronze-
gießer, der alle Techniken, auch das Wachsaus-
schmelzverfahren, den cire perdu, eigenhändig be-
herrscht und bei dem von vornherein die Erschei-
nung in Bronze so fest steht, daß oft genug auch in
den Details keine Ziselierung mehr notwendig ist.
Jede Form, auch die feinste, ist dann aus dem
Geiste der Bronzetechnik heraus gedacht. Daher

hat die Oberfläche seiner Figuren immer etwas so
Reizvolles und Lebendiges und selbst das Material
des stucco lustro noch etwas Edles.

Dergleichen zu betonen ist heute durchaus
nicht überflüssig. Seit August Gauls Tode haben
wir ja in Deutschland nicht viel mehr als drei
Plastiker von Belang, die ihr Handwerk in diesem
Sinne wirklich beherrschen und die solche tech-
nischen Fragen nicht einfach als „Handwerk"
hochmütig beiseite schieben und Leuten überlassen,
die eben nichts weiter sind als fühllose Hand-
werker.

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