Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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WOLF RÖHRICHT, ADAM UND EVA
WANDMALEREI IN DER KLEMZIGER KIRCHE

Auftrage des Herrn von Philippsborn bemalt hat. Er hat
die Legende von Adam und Eva gewählt und hat die Auf-
gabe so leicht, so spielend, mit so viel Freude am paradie-
sischen Getier und so ohne alle materielle Schwere gelöst,
daß seine moderne Darstellung sich dem fröhlichen Reich-
tum der Renaissancedekoration in der natürlichsten Weise
anschließt, obwohl er sich stilistisch um die alten Formen
nicht gekümmert hat.

Die Vorzüge der Röhrichtschen Begabung zeigen sich
von der liebenswürdigsten Seite. Es fällt an seinen Wand-
malereien mehr noch als vor seinen Bildern auf — weil
die Aufgabe leicht zu einer peinlichen Grundsätzlichkeit hätte
verführen können — wie angenehm es ist, daß der Künstler
sein Talent nicht überanstrengt. Was heute fast alle Maler
tun. Man spürt, daß Röhricht Spaß am Malen hat, daß er
sich selber ein Vergnügen machen nicht aber andere damit
anstrengen will. Sein Talent ist weder sehr umfangreich
noch tief schürfend; aber es hat sich Natürlichkeit bewahrt.
Und hat darum Anmut und Leichtigkeit. Alles was in
Röhrichts Malerei gefällig dekorativ ist, ohne die enge Füh-
lung mit der Natur zu verlieren, kommt in diesen Wand-

malereien, in diesen Arabesken aus Akten und Tierdarstel-
lungen glücklich zur Geltung. Das Ganze und das Einzelne
ist leicht hingemalt, mit ausgiebiger Benutzung des hellen
Wandtons; der Schein einer zu großen Realität ist taktvoll
vermieden, die Paradieslegende wirkt wie eine Randzeich-
nung zum Gottesdienst, sie hat einen Anflug jenen Humors,
der guten Illustrationen eigen ist und der darin besteht,
daß der Zeichner von dramatischen und tragischen Situationen
auszusagen scheint: es ist ja nicht so schlimm! Und doch
ist in dem leicht Hingeschriebenen viel Natur und ein ernst-
haftes Studium.

Am glücklichsten erscheinen die beiden Seitenwände.
Auf der Rückwand ist des Guten insofern zu viel getan,
als eine Fensteröffnung in die Wand geschlagen ist (um
Licht zu schaffen), und als diese Öffnung durch ein farbiges
Glasfenster geschlossen worden ist, das künstlerisch-technisch
zwar von der Firma Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff,
vorzüglich hergestellt worden ist, das aber in seiner starken
transparenten Farbigkeit zu derWandmalerei nicht recht passen
will und ihr auch insofern Konkurrenz macht, als das Adam-
und Eva-Motiv in kleinerem Maßstab noch einmal wiederkehrt.

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