Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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WOLF RÖHRICHT, ADAM UND EVA
WANDMALEREI IN DER KLEMZIGER KIRCHE

Die gute Meinung, die diese Wandmalereien von Röhrichts
Talent geben, wird bestätigt in einer Ausstellung neuer
Bilder in der Galerie von Dr. Grosse (Berlin, Kurfürsten-
damm 179). Die nach der Natur gemachten Aquarelle
sind frisch und geschmeidig; sie sind in einer wahren Weise
geschmackvoll. Röhricht geht, wenn er an den Seen Ober-
bayerns oder in den Industriegebieten Oberschlesiens ar
beitet, stets herzhaft von einem erlebten Farben- oder Formen
eindruck aus. Man spürt noch heute, wo er doch ganz
selbtständig geworden ist, daß er von der gesunden Arbeits-
weise Waldemar Röslers den Ausgang genommen hat. Seine
Ölbilder malt Röhricht nach den Aquarellstudien im Atelier
und erzielt so Resultate von großer Frische, Leichtigkeit

und Wirkungskrait. Seine Gebirgslandschaften haben etwas
echt bergartiges; er kann Schnee, Licht und Wetterstimmung
malen und gefällig sein ohne zu lügen. Hier und dort
gleitet die Farbe ja einmal ins Bengalische, rutscht der volle
Pinsel zum äußerlich Dekorativen aus, und wird die Struktur
unklar. Im ganzen aber verfolgt der Künstler seinen Weg
mit schöner Stetigkeit und mit einem Ernst, dem man die
Anstrengung nicht anmerkt. Indem er malt, wie es ihm
Freude macht, und indem er praktisch beweist, daß Gründ-
lichkeit sehr wohl der Teil eines Vergnügens am schönen
Malhandwerk sein kann, macht er auch dem Betrachter
Freude.

Karl Scheffler.

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