Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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STATUEN IN DER SARGKAMMER, abb. i

mit erlaubnis des vehlages f. a. brockhaus, leipzig

DAS GRAB DES TUT-ANCH-AMON

VON

HEDWIG FECHHEIMER

Der erste ausführliche Bericht über das Grab
des Königs Tut anch amon von dem Entdecker
H. Carter selbst, dem Beauftragten Lord Carnarvons,
liegt jetzt vor. Da eine deutsche Ausgabe des
reich illustrierten Buches: Tut-anch-Amun, ein ägyp-
tisches Königsgrab, mit einem Beitrag von Georg
Steindorff, 104 Abbildungen, einer Karte und einer
Grabskizze, Leipzig, F. A. Brockhaus, erschienen ist,
sei hier versucht, auf die Tragweite des ungewöhn-
lichen Fundes hinzuweisen.

Durch das unverletzte königliche Siegel und
durch Siegelabdrücke wird das Grab innerhalb der
viertausend Jahre altägyptischer Geschichte auf eine
kurze Zeitspanne von acht Jahren, etwa 1358—13 50
v. Chr. festgelegt. Damit schließen die Ergebnisse
der Carterschen Grabung genau an die Ausgrabungen

der Deutschen Orient-Gesellschaft in El-Amarna —
dem Mittelpunkt der religiösen Bewegung Ameno-
phis IV. — an. Beide sind von vornherein wissen-
schaftlich begründete Unternehmungen; während
aber die Mauern der Aton-Stadt seit der Zeit ihrer
Verlassenheit noch öde und verfallen zwischen
Sand- und Schuttmassen dastehen, wurde die erste
Stufe, die zu Tut-anch-amons Grab führte, erst
nach sechs Jahren eifrigen Suchens entdeckt. Sein
Eingang lag unter einer Anzahl von Arbeiterhütten
— wohl aus der Bauzeit des höher gelegenen Grabes
Ramses VI. — verborgen. So blieb es seit 1150
v. Chr. unangetastet. Nur einmal — kurz nach
des Königs Tod — waren Diebe in die Gruft
eingedrungen; sie sind gestört worden, und das
fast vollständige unschätzbare Toteninventar wird

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