Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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die Entwicklung dieses Illustrators als ein Zeichen großen
künstlerischen Ernstes werten muß. Nach den Arbeiten der
Jugend, die das ganz Unwirkliche mit ziemlich akademischen
Mitteln gestaltet hatten, lag die Gefahr nahe im absolut
Phantastischen zu versinken oder, was noch schlimmer ge-
wesen wäre, im Manieristischen. Kubin hat, als er sah,
daß er in eine Sackgasse zu geraten drohte, entschlossen
kehrt gemacht und die Natur gesucht, ohne von seinen
dichterischen Vorstellungen zu lassen. Seine Zeichnung ist
weltlicher geworden, und das ist ihr gut bekommen. Der
Künstler erscheint in einer so umfangreichen Kollektiv-
ausstellung ein wenig wie ein melancholisch grübelnder

Rowlandson. Freilich: ohne englischen Porter und Roast-
beef. Er bringt es fertig wie auf einem straff gespannten
Seil durch die Kunst, über die Kunst unserer Zeit hinweg-
zubalanzieren; er bleibt einzig in seiner Art und wird, trotz
einer starken Produktivität, wenn nicht besser, so doch auch
nicht schlechter. Es ist ein guter Kern in Kubin. Vielleicht
fehlt seinem Talent eine breitere Basis. Es ließe sich denken,
daß er Vortreffliches leistete, wenn er regelmäßige Zeitberichte
für eine große Zeitung oder Zeitschrift zeichnete, wenn er Halt
gewönne an konkreten Aufgaben. Die vielen Buchillustra-
tionen wollen nicht recht schmecken; - auch fördern sie nicht
genügend, was Kubin am nötigsten braucht: Bestimmtheit.

Die in der Ausstellung ver-
brachte Stunde war ungemein
anregend. Was man heute
nicht oft sagen kann. Und
der Eindruck wirkte nach,
weil zum Erlebnis wurde, was
allein in der Kunst dazu
werden kann: ein persönliches
starkes Erlebnis des Lebens
von Seiten des Künstlers.

K. Sch.

HANNOVER
Das im Maiheft schon
kurz besprochene Bild von
Karl Blechen „Badende im
Park von Terni" ist aus der
Galerie Matthiesen in den
Besitz der Neuen Galerie, die
von Dr. Dorner geleitet wird,
übergegangen. Die Skizze zu
diesem Bild ist in der Kern-
schen Blechenmonographie
abgebildet (S. 104). Eine an-
dere Fassung des Bildes besitzt
die Berliner Nationalgalerie.
Es soll noch eine dritte
Fassung vorhanden sein, doch
ist deren Aufenthaltsort un-
bekannt. Alle drei Bilder,
die fast gleich groß sind (un-
gefähr 1 111x75 cm), sollen
in der Zeit von 1830 bis 1837
entstanden sein. Das Bild,
das Hannover neu erworben
hat, zeichnet sich dadurch
aus, daß es vortrefflich er-
halten ist.

KARL BLECHEN, BADENDE IM PARK VON TERNI

NEUERWERBUNG DER NEUEN GALERIE IN HANNOVER

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