Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 56.1905-1906

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735—737. Aschenschalen,und lsaudleuchter aus emailliertem Kuxfer^uiid Lisen; von Lugen Lhreuböck, München.

('/^ d. wirkl. Größe.)

(Dae (blunstzeweröe auf der
(Nürn6er§er Ausstekkunz.

(Schluss)

upferarbeiten waren auf der ersten
Bayer. Landesausstellung zu Nürn-
berg, (882, fast gar nicht, wenig-
stens keineswegs bedeutend genug
vertreten, um eine besondere Be-
achtung zu verdienen; Nürnberg
selbst hatte zwar immer seine Rleinmeister darin, die
schlecht und recht die alten marktgängigen Bachen
produzierten, wie heute noch. Aber ein bedeutsamer
Bchrittnach vorwärts
erfolgte erst, alsMün-
chener Aünstler und
Aunsthandwerker (be-
sonders Hermann
A e lln erff und Hein-
rich Beitz) sich der
Bache annahmen.

Bchon die Metall-
ausstellung in Nürnberg ((885) brachte auf diesem
Gebiet große Überraschungen; und noch heute steht
München in den Rupferarbeiten im Nordertreffen,
freilich hat sich der Btil gewaltig gewandelt; von der
zierlichen Reliefarbeit, von der schon damals gesagt
unirbe2), daß sie dem Material zu viel Ehre antue,
wenn man's wie Silber behandle, ist verschwunden und
hat einer einfacheren, dem derberen Btoff besser ange-
paßten Behandlungsweise piats gemacht. Der bedeut-
samste Bchritt ist der, daß man sich von der Bevor-
mundung der Reißbrettarbeit befreit und angefangen
hat, die Form aus dein Material selbst zu erfinden.
Man kann getrost sagen, daß im allgemeinen die-
jenigen Formen die besten sind, die direkt während der
Treibarbeit erfunden worden sind. Man sehe z. B.

ff Kellner war unseres Wissens allerdings in Nürnberg
geboren, später aber in München tätig.

ff vgl. den Ausstellungsbericht, Iahrg. ;885 dieser Zeit-
schrift S. 93.

die zahlreichen Gesäße von j- Winhart & (To.
an (Abb. 7 (st.—-755 in Heft (0), besonders die auf
B. 54; (; das sind doch Btücke, die durchaus nur der
Eigenart des Blechs entsprungen sein können; kein
anderes Material, keine andere Technik vermag sich
formal so zu äußern. Wie in der Form, so sind
auch in der Farbe namhafte Fortschritte zu ver-
zeichnen, ganz abgesehen von der Zusammenstellung
mit Messing, von dem Einsetzen von Herlmutter-
stückchen oder Halbedelsteinen. Das nackte, blanke
Rupfer — selten allerdings glatt, meist mit Hammer-
fchlag — ist noch mit Norliebe da im Gebrauch,
wo es sich, wie bei Rannen, Teegeschirr rc., um
Gebrauchsgesäße handelt, bei denen die Reinhaltung

allem anderen vor-
angeht (Abb. 7(7 bis
7(9); daneben aber
hat sich, außer der
schon immer ge-
bräuchlichen grünen
Patinierung, eine
reiche Bkala von Me-
tallfärbungen die Da-
seinsberechtigung errungen infolge ihrer ungewöhn-
lichen Manchfaltigkeit und harmonischen Zusammen-
stimmung ihrer metallglänzenden Tönungen; obgleich
man gelernt hat, sie durch unmerkliche Lacke haltbar
zu machen, werden sie doch zumeist nur an Dingen
angewandt, die der Abnutzung und Abscheuerung
weniger ausgesetzt sind, z. B. an Blumentöpfen.

Weiterhin wendet man sich aber auch wieder
dem Email zu; da war es namentlich Eugen
Ehrenböck (Abb. 755—756), der alte Rezepte her-
vorsuchte und solange probierte, bis er sich damit
sehen lassen konnte. Tragen manche seiner Email-
arbeiten auch noch die Miene des Versuchs, so ist
doch nicht zu verkennen, daß er auf guten Wegen
geht und alle Aussicht hat, bald mit den älteren
Münchener Firmen — Bteinicken de Lohr, Gottl.
Wilhelm, Jos. Zimmermann & To., Th.
Holländer 8c To., die alle in Nürnberg gut ver-
treten sind, in eine Reihe zu rücken, um so mehr

Kinifl und pcindmork. 56. Iabrg. £}cft \2.

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