Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 56.1905-1906

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Transportable Fresken.

779. Armbänder; von L. Rottinanne'r, München, (wirkt. Größe.)
a) Gold mit Almandinen und (kleinenHVlivinen; — d) Gold; — c) Gold mit Brillanten.

(Die traneportakekn LäeeKen von
Aopdie Iessi Hormann, München.

ie rnobernc Raunt- und Nutzkunst hat
aus so vielen Gebieten eine Amwertung
aller Werte herbeigeführt, daß es
schier wundernehmen müßte, wenn die
schmückenden, die dekorativen Künste jen-
seits solch mächtigen Ginflusses ständen. Zwar der
flüchtige Beobachter könnte dies an: Ende dennoch
meinen. Dem feineren Ohre rauschen dagegen auch
hier schon die Unterströme . . . Ganz einfach ge-
sagt: Die absolute Herrschaft des Ölgemäldes, das
Gottesgnadentum des fDrunkbildes und Goldrahmens
ist vorüber. Und fchou tritt die „leichtere" Graphik
treten künstlerische Photographie, Bildteppiche und
andere dekorative Werte das Erbe im Salon, im
Wohnzimmer, dort und da an. Den Aäufeen die
unvermeidlichen, gewaltigen „Maschinen"; uns da-
gegen, was wir wirklich lieb gewinnen können, was
uns Freude zu geben vermag sowohl im Gleiten
des Alltags als in stillen, tiefen stunden!

Wir dachten beim schreiben dieser Worte und
denken auch jetzt noch an die neuen Darbietungen
der Keramik, an elegante, zwei und drei Farbwerte
tragende Fliesen, deren Ornament so reizvollen
Schmuck einer Walldfläche zu leihen vermag. Und
natürlich denken wir auch und noch mehr an das,
was wir erst unlängst im Atelier einer Alünchener
Künstlerin sahen: edle antike Uunst in zeitgemäßer
Form geboten, Freskomalereien und -gemälde, be-
stimmt, dem modernen Znnenraume der erlesene,
der festlichste Klang zu sein — Arbeiten von Fräulein
Sophie Fessi bsormann, die ihrer technischen Eigen-
art wegen hier besprochen zu werden verdienen.

Wer jemals Fresko gemalt hat, wie beispielsweise
der Schreiber dieser Zeilen, kennt auch zur Genüge die
Schwierigkeiten dieser Technik. Es war deshalb ein
überaus glücklicher Gedanke der Künstlerin, hier mit der
alten Überlieferung einmal gründlich aufzuräumen.
Noch besser ist es freilich, solche Zdeen in Tat umzu-
setzen, was sie getan hat. Denn ihre Platten, die
„transportabeln Fresken", gewähren dem Aäaler,
Architekten usw. so viele Borteile, ohne an künstlerischer
Wirkung dem an die Wand gemalten Fresko irgend-
wie nachzustehen, daß man schlechterdings sowohl
vom ästhetischen als auch praktischen Standpunkte
aus nichts tnehr zu verlangen weiß. Freilich unsere
Zeit half, wenn auch nur indirekt, solche Absichten
und Ziele fördern; denn das Verlangen nach stilvoller
Kunst ist heute ebenso groß als ein anderes intensiv:
nämlich mit allent tnöglichst schnell fertig zu werden.
Soll doch ein Gebäude in diesen hastenden Tagen
fast vor der Fertigstellung schon der Benützung über-
geben werden können!

Daß bei solcher Lage der Dinge für den deko-
rativen Künstler aber zu wenig, ach „viel zu wenig"
Zeit übrigbleibt, ist wohl ohne weiteres klar. Za,
auf unbequemen, schleuderhaft aufgebauten Gerüsten
darf, soll und muß inan feine Arbeit herunter-

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