Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 56.1905-1906

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Chronik des Bayer. Kunstgewerbevereins.

Hronik i>k§ KMisM Kunflgeivelöllktkin

-ÄEgememe (Vereinsnachrichken.

Frau Tdausverwaller Mitteldorf, die Gattin des lang-
jährigen Faktotums des Vereins, ist ain 2. September nach
längerem Leiden verschieden; jahrzehntelang hat sie in Treuem
ihrein Gatten seine Pflichten als Vereinsangestellter zu erfüllen
geholfen, und so wird sie auch den Besuchern der Vereinsabende
als aufmerksame püterin der Kleiderablage in dauernder Lr-
innerung bleiben.

(Auszüge aus den ProkoKokken der
Ausschußsiizungen.

Sitzung vom 7. Iuni M5, abends $V2 Uhr.

Der ;. Vorsitzende, pofjuwelier Merk, begrüßte zunächst
das nengewählte Vorstandsmitglied, Prof. vr. G. v. Mayr, der
seinen Dank dafür ausspricht mit der Zusicherung, dem Verein
dienlich sein zu wollen, soweit es in seinen Kräften stehe. —
Einleitend wurde sodann mitgeteilt, daß die aus St. Louis
zurückgekommenen Vitrinen vom Kgl. Staatsministerium dem
Verein kostenlos überlassen worden sind.

Punkt ; der Tagesordnung betrifft die Umbauten des
Restaurationslokals. Danach waren die Kosten ursprüng-
lich auf 34 000 M. veranschlagt; nach längeren, vom Vorstand
Bertsch mit Vertretern des Magistrats geführten Verhandlungen
wurde an den Magistrat ein Vorschlag eingereicht, dahingehend,
daß die Stadt die Umbaukosten trage gegen eine Erhöhung der
pausmiete um (200 ITT.

Punkt 2 befaßt sich mit einer Zuschrift von drei auch der
„Vereinigung für angewandte Kunst" ungehörigen Mit-
gliedern des Ausschusses, worin an den Ausschuß die Frage
gerichtet wird, ob die Zugehörigkeit zur „v. f. a. K." nicht als
Hindernis angesehen werde, daß dieselben perren als Aus-
schußmitglieder dem „Bayerischen Kunstgewerbeverein" ihre
Dienste auch fernerhin leihen. Der Ausschuß verneint die auf-
geworfene Frage, wonach also die Zugehörigkeit eines Aus-
schußmitgliedes zu beiden Vereinen nicht beanstandet wird.

Punkt z: Nürnberger Ausstellung. Der Vorsitzende
berichtet von einer Audienz der drei Vorstände beim Minister,
wobei dieser die geringe Beteiligung an der Dresdener Aus-
stellung bedauert, aber darum mit um so mehr Nachdruck auf
die Notwendigkeit hinwies, in Nürnberg um so besser aus-
zustellen, weshalb unverzüglich ein Arbeitsausschuß einzusetzen
sei. Nach längerer Verhandlung wird beschlossen, ein provi-
sorisches Arbeitskomitee zu bilden, das aus Mitgliedern des
Bayerischen Kunstgewerbevereins und der „vereinignng für an-
gewandte Kunst" bestehen und die Vorarbeiten einleiten soll;
von seiten des Vereins werden außer den drei Vorständen Merk,
v. Mayr und Bertsch noch die Ausschußmitglieder Dülfer,
v. Miller, Mössel uud Rank genannt.

Punkt 4: Ausstellungsprojekt auf der Therefien-
h ö h e. Vorstand Bertsch schlägt aus Grund einer magistratischen
Zuschrift über diesen Gegenstand vor, in der Antwort nur die
für kunstgewerbliche Ausstellungen unabweisbaren Bedürfnisse zu
kennzeichuen: reichliches Licht von oben und von der Seite, —
Anordnung von teilweise herauszunehmenden Umfassungs-
wänden. — Platz zur Errichtung von Einzelbauten mit der
Möglichkeit zu gärtnerischen Anlagen. Im ganzen müsse die
von der Stadt zu errichtende Palle eine Art Glasxalaft sein.

Der Ausschuß beschließt, das magistratische Schreiben in diesem
Sinne zu beantworten.

Punkt 5 (Garten betreffend) und 6 (verschiedenes) sind
nicht von Belang.

Schluß der Sitzung SU\2 Uhr.

Sitzung vom b. September |i)Oö, abends 6 Uhr.

Der 2. Vorstand, Pros. v. Mayr, eröffnet die Sitzung
mit einem warmen Nachruf auf deu am 23. August ver-
storbenen (. Vorstand Merk, woraus Vorstand Bertsch eine an-
erkennungsreiche Schilderung der Wirksamkeit Merks als Vor-
stand gab, an deren Schluß die versammelten sich zur Ehrung
des Toten von den Sitzen erhoben.

Punkt ; der Tagesordnung betrifft die Abordnung eines
Stellvertreters in die Vorstandschaft. Der Ausschuß beschließt
nach längerer Diskussion, provisorisch eines seiner Mitglieder
in den Vorstand abzuordnen, worauf Gemeindebevollmächtigter
Barth als stellvertretendes Mitglied in die vorstandschaft ge-
wählt wird.

Punkt 2: Vorbesprechung über die Wahl eines
Vorstandes. Ls wird beschlossen, nach Verlauf einiger
Wochen eine Ausschußsitzung ohne Beiziehung der Vorstände
abzuhalten unter dem Vorsitz des p. Barth.

Punkt 3: Umbau des Restaurationslokals. Die
perren Vorstand Bertsch und Ausschußmitglied Dülfer erläutern
die Pläne für die Ausstattung des Restaurationslokals, für
deren Ausführung der Verein etwa 7000 M. auszuwenden
hätte. Nach längerer Diskussion gibt der Ausschuß die Be-
willigung zur Ausführung und stellt die Mittel dafür bis zum
pöchstbetrag von 7000 M. zur Verfügung mit dem Wunsch
durch Benehmen mit dem Magistrat eine perabminderung dieses
Betrags herbeizuführen; der Ausschuß setzt ferner eine Kom-
mission ein — bestehend aus den perren Sonnenschmidt als
Vorsitzenden und Barth, Eallwey, Dülfer, peiden, Brüning,
Pfeifer, Rank, Rothmüller — mit dem Auftrag, den Restau-
rationsumbau zu Ende zu führen und die Pachtverhältnisse mit
Ebersxacher zu regeln.

Schluß der Sitzung um 8 Uhr.

Mochenverfammkungen.

Die jeden Dienstag abend, 8 Uhr, stattsindenden Wochen-
versammlungen beginnen am 7. Noveinber; für die vereins-
abende bis zu Weihnachten (905 ist folgendes Programm vor-
gesehen :

H-

2{-

28.

5.

*2.

Nov.: Eröffnungsabend: Gesellige Unterhaltung.

„ Vortrag von Prof. Or. Siegln. Günther. Thema
Vorbehalten.

„ Konservator vr. v 0 l l: Eigenhändige Meisterkorrek-
turen und fremde Übermalungen an Gemälden im
Besitze der Münchener Alten Pinakothek.

„ Vortrag von Major a. D. B a u m a n n: Line Reise
von Suez nach dem Siliai. (Mit Lichtbildern.)

Dez.: Vortrag von Schriftsteller Jos. Kirchner: Adam

und Eva in ihrer Darstellung in Kunst und Kunst-
gewerbe. (Mit Lichtbildern.)

„ Vortrag voll Kgl. wirkl. Rat Jos. v. Schmädel:
Die Autotypie im Dienste der Kultur. (Mit Aus-
stellung.)

Die Abende nach Neujahr sind noch nicht sestgelegt.

Verantiv. Red.: Prof. £. Ginelin. — Herausgegeben vom Bayer. Kunstgewerbeverein. — Druck und Verlag von R. Dldenbourg, München.
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