Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 56.1905-1906

Page: 138
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1905_1906/0155
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Neue lholzeinlegekunst.

Neben dieser Arbeit hätte der reichsdeutsche
Rünstler — weil weniger agil — leicht einen schweren
Stand. Bei Adelbert Ni ein ey er ist dies nicht der
Fall; er hat das Seine zu geben (Abb. 25^—256).
Mir schätzen den Maler schon ob seiner Tätigkeit
bei der Firma Bertsch, und so freut es uns natür-
lich, ihm auch hier zu begegnen. Und wie schon
angedeutet . . . er bewährt sich auch im Rorbmöbel.
Seine Arbeiten sind zwar ein bischen behäbig, aber
auch gediegen; atmen nicht die Eleganz von heute,
werden aber auch noch in sO Jahren gefallen; tragen
keine geistfunkelnden Einfälle zur Schau -— aber man
möchte sie besitzen. Sehr gut passen gerade zu ihnen
Polster und Bezüge.

Unseren Bericht abschließend, erwähnen wir noch,
daß sich unter den Autoren, welche für die Firma
arbeiten, auch Reinhold UI. Eichler, Architekt
Blochwitz und Max Sänger befinden.

Moritz Mtto Baron Lass er-München.

Aeue HokzemkezeKunst.

(Nachdruck verboten.)

er mit aufmerksamem Blicke die
Entwicklung verfolgt, die im Be-
reiche des modernen Runstgewer-
bes von der Möbelindustrie ange-
nommen worden ist, kann sich der
Erkenntnis nicht verschließen, daß
hier auch die so lange sehr zu Unrecht vernachlässigte
Intarsienkunst einer neuen, zukunftssicheren Blüte ent
gegensieht. Der in dieser Richtung wahrnehmbare
Aufschwung erfüllt den Runstfreund und Renner mit
hoher Genugtuung. Rann doch niemandem, der die
Bestrebungen des neuzeitlichen Runftfieißes mit war-
mem Interesse begleitet, jenes Mißverständnis ent-
gangen sein, das sich bis in die letzten Jahre noch,

gestützt auf die vom herrschenden Runstgeschmacke
für moderne Gebrauchsmöbel verlangte verwendungs-
gerechte Einfachheit der formen, nun beim Ent-
werfen wie in der Durchbildung des neuen Nutz-
mobiliars nur zu häufig bekundet hat. Nicht als
ob man in diesen Rreisen der Möbelindustrie die
grundsätzlichen Absichten der kunstgewerblichen Neu-
zeit nicht erfaßt hätte. Im Gegenteil. Gerade der
Eifer, mit dem unsere Möbelarchitekten dem neu-
erwachten Runstsinne und Runstempfinden Genüge
zu tun sich bestrebt zeigten, hat sie bislang in ihrer
Mehrzahl zu einer allzu strengen Auffassung der ver-
langten Formenschlichtheit verleitet. Denn während
das moderne Runstgewerbe mit seiner Forderung
gesunder Formeneinfalt doch letzterdings für unsere
Gebrauchsmöbel nur eine dem jeweiligen Verwen-
dungszwecke restlos angepaßte künstlerische Form zum
Prinzip macht, verblieben unsere Möbelkünstler zu-
dem noch der über diesen Grundsatz hinausgehenden
Meinung, die zeitgemäße Unmittelbarkeit ihrer For-
mengesinnung auch noch durch das Ausschalten oder
doch die weiteste Zurückdrängung jeglicher Möbel-
zierkunst erhärten zu müssen. Unter diesem Bestreben
hat denn ganz besonders die Pflege der polzeinlege-
kunft, der Intarsia, in der neuen Runflbewegung
seither sehr empfindlich gelitten. Eine im Verhält-
nisse zu der Größe des Möbelstückes oft verschwindend
kleine Intarsienfläche, überdies dann meist das näm-
liche Intarsienmuster an sämtlichen Teilen einer-
ganzen Möbeleinrichtung, war günstigsten Falles
das Einzige, was man bis vor kurzem noch auf
den Ausstellungen an polzeinlegekunst geboten fand.
Demgegenüber sind nun neuestens hervorragende
Intarsiatoren mit Merken feinster künstlerischer Voll-
endung an die Öffentlichkeit getreten. Der unwider-
sprochene Beifall und das ungemeffene Entzücken,
deren sich ihre Leistungen in der gesamten kunstver-
ständigen Mitwelt binnen kürzester Frist versichert
haben, müssen als untrügliche Anzeichen dafür gel-

;Z8
loading ...