Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

Page: 328
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Chronik des Bayer. Kunstgewerbevereins.

erscks Allgemeiner Runstausstellungskaiender
pro 1910 ist kürzlich erschienen. <£s ist natür-
lich nicht möglich, alle darin enthaltenen Angaben
über Anmeldung, Beginn, Einlieferung usw. nach-
zuprüfen; aber schon ein Blick in den eigentlichen
Aalender zeigt, daß da mit Bienenfleiß alles zu-
sammengetragen ist, was an Angaben über Aus-
stellungen zu finden war. Es ergibt sich daraus zu-
gleich ein Bild der umfassenden Geschäftsverbindungen
der herausgebenden Firma in Europa und Amerika.

Fritz v., Die Villa Franz von Stuck in
München. (Sonderabdruck aus der Zeitschrift
für Innendekoration.) Verlag Alex. Aoch, Darm-
stadt. Mit 50 meist ganzseitigen Abbildungen.
Preis ^ M.

Es sind jetzt \ \ Zahre her, daß unsere Zeit-
schrift im Aprilhest ^899 das damals noch nicht
völlig fertige Heim Franz von Stucks ihren Lesern

im Bilde vorführte; in dieser Zeit hat sich manches
geändert. Nicht nur in der Villa Stuck selbst, in der
sich allerlei Aunstschätze von auswärts ein Stelldichein
gegeben haben, sondern auch in der Reproduktions-
technik, die — auf dem Wege des peliotintverfahrens
— eine viel tonigere Wiedergabe der stimmungs-
vollen Znnenräume ermöglicht als mit den Auto-
typien aus dem Ende des abgelaufenen Jahrhun-
derts. Die sammetweichen Tiefen, das mysteriöse
Helldunkel mancher Räume geben allein schon dieser
Monographie einen besonderen Wert; sind auch einige
Bilder nach den schon von unserer Zeitschrift be-
nutzten photographischen Aufnahmen hergestellt —
S. (5, (6, (7 — so kann doch damit die Berech-
tigung, ja die Notwendigkeit der neuen Publikation
nicht bestritten werden. Denn dies Haus ist und
bleibt ein Denkmal Stuckscher Monumentalkunst, das
nicht weit genug bekannt gemacht werden kann.

G.

HMik M MmWn KunflgkMrökMkins.

Der am 2. Juni ds. Is., nach langen, Leiden im
Alter non 65 Jahren gestorbene

Hofmöbelfabrikant Otto Fritzfche

der sich aus eigener Kraft emporgearbeitet und seine
im Jahre ;S7^ gegründete Fabrik zu hoher Blüte ge-
bracht hat, hat auch unserm Verein als Ausschußmitglied
lange Jahre hindurch seine Kraft geliehen, und manches
Blatt in unserer Zeitschrift zeugt von der Unermüdlich-
keit und Vielseitigkeit seiner Meisterschaft.

Line überaus schmerzliche Lücke hat der Tod in den
Kreis unserer Ehrenmitglieder gerissen. Am ;8. Juni
starb plötzlich und unerwartet

Rudolf von Seitz,

Professor an der Akademie der bildenden Künste und
Lhrenkonservator am Bayerischen Nationalmuseum,
was der verstorbene als anregender, schaffender,
beratender Künstler dem Verein gewesen, was er für
das lebende Münchener Kunstgewerbe getan hat, wie er
insbesondere dem Kunstgewerbeverein seine Kräfte ge-
liehen hat, wo iinmer es galt, der Schönheit zu dienen,
das ist mit unvergänglichen Lettern in dem Gedächtnis
seiner Mitkämpfer eingegraben. Der Lorbeer, den
unser Vereinsvorstaud au seinem Grabe niederlcgte, be-
deutete weit mehr als nur ein äußeres Zeichen der
Dankbarkeit.

Am 7. Juli ist —- im Alter von s; Jahren —
unser Ehrenmitglied

Se. Exzellenz Kgl. Vbersthofmeister a. D.

Gustav, Graf zu Lastell-Lastell

zu Berchtesgaden verschieden. Der Verstorbene war
Iahrzente lang Mitglied des Vereinsausschusses, an dessen
Beratungen er sehr regelmäßig teilnahm; als Mit-
glied der Redaktionskommission hat er durch seine rege
Mitarbeit sich insbesondere den Dank der Vereins-
zeitschrift verdient.

Am Juli verschied im Alter von 86 Jahren das
einzige weibliche Ehrenmitglied unsers Vereins

Frau Julie Sxengel,

geb. Koller.

Die verstorbene, Witwe des vor acht Jahren ver-
storbenen Malers Spengel, hatte sich durch ihre eifrige
Sammeltätigkeit auf textilem Gebiet eine umfassende
Kenntnis desselben erworben und dieselbe benutzt, um
tatkräftig in die Textilkunst der Gegenwart, besonders in
Stickerei und Spitzen, einzugreifen, vor wenigen Jahren,
als sie den größten Teil ihrer Schätze dem verkauf unter-
stellte, schenkte sie eine umfangreiche Sammlung von alten
Posamentierarbeiten dem Bayerischen Kunstgewerbeverein,
der seinen Dank durch Ernennung zum Ehrenmitglied
bekundete.

verantw. Red.: Pros. £. Gmelin. — Herausgegeben vom Bayer. Aunstgewerbeverein. — Druck und Verlag von R. Gldenbourg, München.
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