Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

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£>om Büchermarkt.

Bettpfannen — eine Abart unserer Bettflaschen, ohne
Wasser —, die nicht feiten zu Prunkstücken wurden —
(Abb. ^88), ihre Erfahrung tm Treiben. Am höch-
sten und vielleicht an: eigenartigsten, hatte sich die
Goldschmiedekunst entwickelt. Was von älteren Ar-
beiten in Rirchenbesitz war, ist leider f528 ver-
schwunden ; was jetzt dort an Rechengerät zu finden
ist, geht nicht über das \7. Jahrhundert zurück.

Ihre höchste Blüte erreichte die ostfriesifche Edel-
metallkunst aber in dem eigentlichen Schmuck, der
in seinen pauptzügen aller Wahrscheinlichkeit nach
um die Butte des 18. Jahrhunderts aus polland
nach Emden am Dollart eingewandert ist. (Es sei
dazu gleich bemerkt, daß auch die ZTCänner bisweilen
Schmuck — wenigstens Ohrringe — tragen). Das
Material, aus denen diese Schmucksachen hergestellt
werden, ist höchst einfacher Natur: Blech und Draht;
Steine oder deren Stellvertreter scheinen sich keiner
besonderen Beliebtheit erfreut zu haben (einige Bei- I
spiele: Abb. 500—502, 5^, 519). Die Gießtechnik
kommt mit Borliebe bei jenen Stücken in Betracht,
die einer gewissen Festigkeit bedürfen, wie bei
Schnallen, Berschlußnadeln usw. (Abb. 520 n. 522);
weitaus überwiegend ist die Filigrantechnik. Zwar
bleibt das eigentliche Filigran, die Arbeit mit dem
gekörntem Metallfaden, in der Minderheit, erfreut
sich aber dann stets einer besonders seinen Behand-
lung (Abb. 500—502, 508); häufiger tritt der glatte
Aletalldraht an seine Stelle. Die Mannigfaltigkeit,
die mit diesen einfachen Elementen erreicht wird, ist
unbegrenzt, und die sorgsame Ausführung der Löt-
arbeit, die ein gutes Auge, eine große technische
Sicherheit und unendliche Geduld voraussetzt, läßt
den zeichnerischen Gedanken zur vollen Wirkung ge-
langen. Als besondere Eigentümlichkeit der ost-
sriesischen Schmucksachen kann vielleicht das Fehlen
der Reliefwirkung bezeichnet werden; da aber die
Fadengespinste vielfach (durch aufliegende Blech-
ornamente unterbrochen werden und das Ganze meist

nicht eine Ebene, sondern eine gekrümmte Fläche
markiert, so vermißt man das Relief keineswegs,
im Gegenteil führen gerade die glatten, verschieden
gelagerten Blechflächen in der Beweguilg ein
lebhaftes Lichtspiel herbei, was der Wirkung des
Schmuckes immer von Borteil ist.

Den pauptbestandteil der Schmucksammlung
bilden die Berschlußglieder der palsketten; während
die Retten selbst die Silberfarbe zeigen, sind die
Schlußglieder ganz vergoldet. Meist bildet ein
größeres Stück in Nachen- oder Mandelform die
Mitte, an die sich beidseitig ähnlich gestaltete kleinere
Glieder anschließen; für den Grnamentisten ist es
von besonderem Reiz zu verfolgen, mit welchem Ge-
schick dabei die verschiedenartigsten Grundformen —
z. B. Rechteck und Mandelform — ineinander ein-
gepaßt und miteinander versöhnt sind, — welche
Bermittlerrolle dabei dem Filigran und seinem liebsten
Rind, der Spirale, zukommt.

Leider geht diese schöne einheimische Runst dem
Aussterben entgegen, seit die Fabrikware einzudringen
begonnen hat; man muß froh sein, wenn Über-
reste der bodenwüchsigen Arbeiten in Sammlungen
bewahrt bleiben und so den nachfolgenden Ge-
schlechtern Runde von dem Schaffen der Bäter und
Anregung zu neuem Pervorbringen geben. 6.

(Dom (Küchermarßi.

v-apdlcr, M R, Der Zeichenunterricht in
' der Schule und für das Leben; Beilage zu
de>n Programm des Privat-Instituts von G. Ad.
Stoll, München.

Der Berfaffer, geprüfter Zeichenlehrer nnd Leiter
des Zeichenunterrichts an dem genannten Institut,
erweist sich in dieser 30 Seiten umfassenden Schrift
als ein eifriger Rämpfer für die Ideen Rerschen-
steiners und Dasios und zeigt, daß er von dem

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