Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

Page: 307
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Ausstellung bemalter Wohnräuine München (9(0.

Die Batikmalerei, die ursprünglich auf Java
nur Hausindustrie war, ist in neuerer Zeit nicht nur
durch europäische Ansiedler, sondern namentlich auch
durch Chinesen zu einem Großbetrieb ausgedehnt
worden; es werden Batikarbeiten der verschiedensten
Qualitäten hergestellt und großenteils nach Singa-
pore und Ceylon ausgeführt. Europäische Batik-
inritationen werden wenig und nur von ärmeren
Klaffen gekauft; immerhin drücken aber diese Fabri
kate auf die Preise der einheimischen Erzeugnisse.

Unser Kunstgewerbe hat bekanntlich die alte
javanische Batiktechnik wieder aufgegriffen. In
Haarlem, wo die trefflichen Ausstellungen des Ko-
lonialmuseums für historische und technische Be-
lehrung sorgen, besteht schon lange eine Batikschule,
und ihr Beispiel hat auf mehrere kunstgewerbliche
Unterrichtsanstalten Deutschlands befruchtend gewirkt.
Auch die Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-
vereins hat bereits vor sechs Jahren ihr Interesse
an diesen Bestrebungen durch die Veröffentlichung
eines Aufsatzes von Rob. Breuer bewiesen?)

Auestekkung Kemakter A)oßn-
räume München \9\0.

egenüber der letztjährigen Ausstel-
lung gleichen Namens will die
diesjährige, die wiederum in den
Räumen des alten, dem baldigen
Abbruch geweihten Augustiner-
stocks stattfindet, eine Ergänzung
sein; sie kann sogar in mancher Hinsicht als ein Fort-
schritt bezeichnet werden, insofern als die Durchschnitts-
qualität einen erheblichen Grad höher gestiegen ist.

Der Zweck der ersten Veranstaltung war ge-
wesen, „p einen Überblick zu geben über die Arbeits-
gebiete, welche das Malergewerbe in sich schließt;
2. das Ulalergewerbe in seiner Stellung zum Kunst
Handwerk sowohl wie zur modernen Raumkunst zu
zeigen; 5. die in diesem Gewerbe in letzter Zeit auf-
gefundenen neuen Handwerkstechniken der Öffentlich -
keit vor Augen zu führen". Ulan wollte zugleich —

») Iahrg. (90$, S. 33(. — Die vorstehenden Ausführungen
beruhen auf meinem im Münchener Kunstgewerbeverein gehal-
tene» Vortrag, an dessen technischen Abschnitten sich meine
Frau beteiligt hat. Hauptsächlich benutzte Literatur: Rouffaer
und Iuyn boll, Die indische Batikkunst (Haarlem, (9»( ff.;
leider noch nicht abgeschlossen; hier auch weitere Literatur-
angaben). Krünitz, Ökonomisch-technologische Enzyklopädie
s. v. Kattun ((786). Indian Art at Delhi ((903). Rouffaer,
Koloniaal-eoonomische Bijdragen Ia ((90$). Watt, The com-
mercial products of India ((908). Die Aufsätze des Journal of
Indian Art sind unter den betreffenden Abbildungen genannt.

L. Schermann.

im Gegensatz zu der in bezug auf die Stubenmalerei
etwas armen Ausstellung des Jahres sst08 — der
Farbfreudigkeit des Publikums mehr Anregung geben,
die handwerkliche Ulalkunst wieder zur Geltung
bringen und das Interesse für farbige Wohnungs-
ausstattung wachrufen, womit zugleich eine Art
Kriegserklärung gegen die „zurzeit herrschende farb-
lose Geschmacksrichtung" verbunden war. Der Er-
folg der Ausstellung fstOst, der sich — laut Katalog-
Vorwort — u. a. auch in einer Umgestaltung der
Ulaler-Fachausstellungen geäußert hat, reizte zu wei-
terer Verfolgung des einmal betretenen Weges
um so mehr, als die dem Augustinerstock gewährte
Galgenfrist wie eine Verlockung erschien; denn jetzt
brauchte man gegenüber unbequemen Bauverhält-
nissen weniger Zurückhaltung zu üben, man konnte
ruhig Türen durchbrechen, Fenster austauschen, kleine
Treppen einsetzen, ohne den Respekt vor dem staat-
lichen Eigentum zu verletzen.

Der Charakter der Ausstellung als Produkt des
Malergewerbes konnte nur münchnerisch sein, wobei
der dekorativen Möbelbemalung besondere Aufmerk-
samkeit geschenkt werden sollte. Um gediegene Ent-
würfe für Raumausstattungen zu erlangen, wurde
ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dessen Einläufen
die Architekten Baurat Hans Gräßel und Franz
Rank sowie die Maler Prof. K. Wähler und
C. Dietl die Auswahl trafen; die Ausführung des
Gewählten soll aber nicht überall den Vorschlägen
der Jury gemäß erfolgt sein. Für die Ausstattung
der Räume mit Mobiliar erfreute das Ausstellungs-
unternehmen sich der Unterstützung zahlreicher Firmen
aus den Kreisen der Möbelfabrikanten, Schreiner,
Tapezierer, Hafner rc., so daß die Ausstellung min-
destens ein schönes Zeugnis kameradschaftlichen Zu-
sammenwirkens geben konnte. Gb sie auch die
Absichten und Hoffnungen der Veranstalter ganz er-
füllt, ist eine andere Frage.

Die Malermeister, welche die Ausstellung ins
Leben gerufen haben, wollten selbstverständlich in
erster Linie die Anwendbarkeit ihrer Kunst vor Augen
führen; da ist nun nichts natürlicher, als daß sie
jede Gelegenheit ergreifen, um davon Proben zu
geben, wobei die Gefahr nahe liegt, daß die Deko-
rations-, oder bester Stubenmalerei, die doch bei der
gesamten Raumwirkung nur eines von vielen Mit-
teln ist, sich hervordrängt, ja daß sie die Raumkunst
in ihren Dienst zwingt, meist nicht zum Vorteil des
Ganzen. Zweck und Mittel werden da nur zu leicht
vertauscht; die Dekorationsmalerei, die doch eigentlich
im Rahmen der Rauinkunst nur Ausputz ist, spielt
sich da gerne als Herrin auf, ohne doch die Ligen
schäften zur Herrschaft mitzubringen. Man kann

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