Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

Page: 197
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ZLY. Abzeichen der „Regensburger Wurstküche";
von Paul Neu.

(Das Uorpeßaus (Lisana
(NegeneKurger IDurstKüche.)

Architekt: Kauamtmann Wchar-Schachner.

^as neue bfein: der Eifaria hat eine
alte, eine lange Geschichte. Viele
Geschlechter ziehen und viel Ge-
schehen zieht an uns vorüber, bis
wir nur einmal — nach dem und
dem und dem Namen — beim
Namen Dietl anlangen; dieser Mann gab dem Miet-
hause mit den vielen kleinen Parteien eine andere
Bestimmung.

Die Bemühungen des Mannes führen uns ein
Stück der sogenannten guten alten Zeit vor.

Am 8. Juli s862 suchte er als Metzgergeselle
beim Stadtmagistrat um eine Schweincmetzgerkon-
zession nach mit der Begründung, daß er im Sinne
habe, dahier eine Wurstküche zu errichten, wie sie
in Regensburg seit längerer Zeit bestünde und mit
gutem Erfolg betrieben werde. Doch viel Zeit mußte
verrauschen — der Magistrat erwies sich als sehr
spröde —, bis sein Mille erfüllt wurde. Erst an:
2. Januar s867 erhielt er die „Ronzessions-Ver-
leihungs-Urkunde" vom Magistrat und zugleich die
Bewilligung zur Ausübung seines Gewerbes im
Hause Nr. 2 an der Münzgasse. So entstand die
vielen ehemaligen Münchener Studenten wohlbekannte
Wirtschaft „Zur Regensburger Wurstküche".

Nach neun Zähren ungefähr ging die Wirt-
schaft wieder in verschiedene Hände über, bis endlich
die Eifaria das alte Haus — Februar ssi08 —

erwarb. Am (. Juni fsi08 wurde es vollständig
abgerissen; an seiner Stelle entstand ein Neubau
nach den Entwürfen des Bauamtmanns Richard
S ch a ch n e r.

Nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen sei
unser Referat mit einigen Streiflichtern über den
ganzen Baublock hin eröffnet, und vorab von der
Fassade, von Malerei und Aunstgewerbe der Eifaria
die Rede; sodann wollen wir dem Bericht die ver-
schiedenen Interieurs anheften.

Die nach Norden gerichtete Fassade des Gebäudes
hat auf Traßmörtelputz eine ornamentale Bemalung
mit Reimscher Farbe erhalten. Die Ausführung der
Fassadenbemalung erfolgte durch die Werkstätten für
Dekorationsmalerei und kunstgewerbliche Arbeiten
von E. Throll in München. Die Fassade ist so
schön abgewandelt, daß man sie unbedingt zu den
malerisch-reizvollsten Münchens zählen inuß (Abb. 373
u. 37^). Apart und hochelegant. Schon vom Archi-
tekten gut behandelt — sehr wirkungsvoll aufgeteilt
und mit Lünetten, einem großen Aorbbogenfenster,
Blumengittern, der schmucken Laterne, dem wegen
Unwetters weit vorgezogenen Gesims den nach
schönen Stadt- oder Straßenbildern Laschenden leicht
gewinnend —, hat sie noch nach der malerischen
Seite eine Behandlung erfahren, daß sie ganz aus
dem staubigen Alltag erhoben erscheint. Wunder-
schöne Gckertöne lassen sich's gut ergehen auf noblem,
grauem Grunde, auf edlem, ernsten: grauem Grunde
aufglänzt des Gckers warme, satte Pracht. Der
Meister, der die Fassadenmalereien (und viele andere
in der Eifaria) ins Leben rief, der dafür verant-
wortlich zeichnet: Paul Neu heißt er, und er ist
wohl ein Mann der Zukunft. Daß er eigentlich

Kunft und Handwerk. 60. Zabrg. ßeft 7.

— ly?

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