Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

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Die (lveihnachts-) Ausstellung von Erzeugnissen staatlicher und staatlich unterstützter Fachschulen Bayerns.

*30. Zwieseler Fachschule für Glasindustrie: Fruchtschale
und Sektgläser mit Strichätzung. ('/» d. wirkl. Größe.)

liegt. Aber die Schüsseln der Landshuter Schule
kommen teilweise in der Farbe dem Geheimnis der
terra sigillata doch recht nahe; nur daß bei ihnen
die entsprechende Farbennuance, die in zahlreichen
Alustern vertreten ist, mehr Leuchtkraft, eine gewisse
verhaltene Glut besitzt. Alan müßte freilich erst
sehen, wie sie sich darstellt, wenn sie ein paar Jahr-
hunderte im Boden gelegen hätte.

Es ist übrigens nicht ganz richtig, i)=-n
gesagt wurde: der einzige Schmuck der \=-z
braunen Kaffee» und Teegeschirre fei di>^-
Form gewesen. Bei ihnen, wie bei alst^ac
Erzeugnissen der Schule lag der L)aup<D.
in etwas ganz anderem: handelte es sich iE £
schließlich um handgedrehte Arbeiten, und i E_ 4-1
Schmuck war der Hauch persönlich-treue iE °
an die Leistung, der über allen lag. W E
ordentlich erzieherischer Einfluß von unsD'
rischen Fachschulen aus den gewerblichen Ei
ausgeübt werden dürste, war hier ebenst^
erkennen. Ganz abgesehen davon, daß d>E
richtige Grnamentierung den Schülern =-
Fleisch und Blut übergehen muß, denn iuE_t
Ausstellung konnte man (historische NacU.
abgerechnet) kein einziges sinnwidriges, E m
Grnament entdecken, namentlich keine nal^
Neigungen: eine noch bedeutsamere 2'E w
Leben besteht in der Vermittlung der e
daß die persönliche Leistung und nicht ^
das echte Werk, das Kunstwerk schaffe, e

Keratnif ist in dieser Einsicht vor allen: erzieherisch.
Wenn der Schüler erst erkannt hat, wie schwierig
unter Umständen die Anbringung eines einfachen,
weißen Zielstreifens aus dein oberen Rande eines
Tontellerchens ist, dann wird er es auch begreiflich
finden, wenn ein solcher Teller bei gleicher Größe
dreimal so teuer ist wie ein j?erlkettenteller (bei
denen die Grnamentierung des oberen Randes aus
sehr rasch und einfach angebrachten jDunktreihen be-
steht); und diese Erkenntnis ist zudem durchaus ge-
eignet, in das Wirtschaftsleben der Gegenwart
ethische Gesichtspunkte bringen zu helfen, wie sie
leider heute noch vielfach fehlen. Und da, wo wir
solche persönliche Eingabe des Verfertigers an das
Werk seiner Hände spüren, da freuen uns auch
Dinge, die dann, wenn sie der erfinderische Speku-
lationsgeist der Ulasscnindustrie sich erlaubt, unseren
Ekel erregen.

Die Landshutcr Schule beispielsweise hatte auch
drei UUlster von Vsenkacheln gesandt, fast ganz
fehlerfreie Landarbeiten, herzerquickend für alle die,
denen die modische Kachelindustrie aus die Nerven
fällt, und, wie alle übrigen Sachen, besonders ge-
lungen in der Farbenwirkung: die eine im wärmsten
Lebkuchenbraun, eine prunkvollere in Süß-Lila, und
eine besonders mächtige, oben abgeschrägte, in glän-
zendem Silberschwarz. Aber bei letzterer kam noch

sichule für Glasindustrie:
eingeschliffenen Grnamenten.
Größe.)
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