Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

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(Neuere (Münchener SisenarKeiken.

(Von Äkexander Heikmaxer.

aumann sagt, wo er in seiner
neudeutschen Wirtschaftsgeschichte
vom Eisen spricht, ebenso tref-
fend als schön: „Wer die neue
Zeit sichtbar vor sich haben will,
der gehe in eins der großen kom-
binierten Eisenwerke, in denen der Wettkampf um
die Vormachtstellung in der Eisenindustrie ausge-
kämpft wird! Pier
erst ist die Mate-
rie dem Menschen
dienstbar geworden.

Das Eisen ist in
aller seiner Glut
willig wie ein Rind,
wenn es die Men-
schen zu behandeln
wissen. Dieselben
pände, die draußen
am Abend ihre Kin-
der hochheben, spie-
len hier iin Kampf
ums Dasein mit
den rotleuchtenden
Blöcken. Seht den
Wann unten am
pochofcn! Das ist
der Türhüter der
Zukunft, die wir er-
warten I"

Naumann denkt
dabei an das Eisen
als Wirtschafts-
gut und seinen
hohen Gegenwarts-
wert. Zn der Tat
wäre die ganze mo-
derne Kultur ohne
Eisen undenkbar.

Das Eisen bildet
die Grundlage unse-
rer inateriellen und
technischen Kultur.

Unsere Schiffe sind
Eisen undStahl, un-
sere Bahnhöfe, Gas-
anstalten, Brücken,

Türme, Waren-
häuser, Wohnun-

637. Kronleuchter; Entwurf und Modell von lfans lvürftl,
Ausführung in Reinhold Kirschs kunstgewerblichen Werkstätten.
Schmiedeisen, die Figuren in Bronze. (st,« d. wirkl. Größe.)

gen, Kriegsmaterialien, Werkzeuge, Webstühle, Spinn-
maschinen, Lokomotiven, Wasserleitungen, Automo-
bile, Fahrräder usw. Ghne Eisen wäre der inoderne
Verkehr, das „Zeitalter der Maschine", die hoch-
entwickelte Werkzeugtechnik usw. unmöglich.

Darin zeigen sich besonders die glänzenden
Eigenschaften dieses Materials, daß es zu allen
möglichen Zwecken und Formen verarbeitet werden

kann. Die ganze
Art der Herstellung
ist heute darauf ge-
richtet, daß uns das
Eisen in jederForm
zuwächst und so-
gleich zu jeder Art
von Gebrauch be-
reit ist. Daher die
Arbeitsteilung bei
der Herstellung des
Eisens in Eisen-
gießereien, Schweiß-
betrieb, Flußeisen-
betrieb, die allerlei
Arten der Verar
beitung in Guß-
eisen, Baueisen,
Fassoneisen, Plat-
ten, Blechen, Draht
und Stahl usw. Die
Funktionen, welche
das Eisen in der
Technik, in der Per-
stellung von Ma-
schinen, Werkzeugen
usw. zu erfüllen
hat, beanspruchen
immer wieder ge-
wisse Qualitäten
und Formen, die
im Vorrat herge-
stellt werden und in
dieser oder jener
Form zur Verar-
beitung gelangen,
so z B. beansprucht
die moderne Bau-
weise bestimmte
Formen von eiser-
nen Trägern, sog.

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