Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 60.1909-1910

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0.5
1 cm
facsimile
Jakob Ejoffmanns Plastiken.

6-Z. Gußeisernes Grabgitter
von Jakob kjoffmann,
München. (Höhe —75 cm.)

Aufgaben vor. Der Bild-
hauer, welcher mit frucht-
barer Phantasie begabt
ist, kann ein fröhlicher,
tätiger Erfinder fein, feine
Aunst wird zum Schmucke
des Lebens überall be-
gehrt, er findet reichlich
Gelegenheit fein Aönnen
anzuwenden. Wohl dem
Aünstler, der bei all diesen
Unternehmungen zuzu-
greifen versteht, das ihm
Gemäße erwählt und die
richtige Form dafür zu
finden weiß.

Einen solchen Aünstler
stellen wir unseren Lesern
in dem Bildhauer Jakob
bfoffmann vor, der viel-
seitig veranlagt, alle Fächer
der Plastik beherrscht, und
immer bestrebt ist, die
Form dem Charakter des Materials und der Be-
stimmung des Gegenstandes anzupassen. Den Cha-
rakter des Gußeisens hat er in Anbetracht seiner
Modellierung so vollständig erfaßt, daß er sozu-
sagen ein bestimmtes Mrnament, Ranken und Blätter
in kräftigen Linienzügen und Aurven dafür erfunden
zu haben scheint; das Gitter, die Schrifttafel, das
Mappen (Abb. 62—6H) sind auf schöne Flächen-
wirkung bearbeitet und dabei, dem dunkelfarbigen
Metall gemäß, die Silhouette kräftig betont.

Mit demselben sicheren Gefühl bearbeitet er den
Stein. Und wie günstig diese Arbeit seine Phantasie
und Erfindungsgabe beeinflußt, ersieht man aus der
Aomposition für einen Wandbrunnen und für einen
stimmungsvollen Grabstein (Abb. 6fl—72). 3" der
tektonischen Plastik weiß er z. B. auch einer Figur
den wünschenswerten ornamentalen Charakter zu
geben, ohne dabei jedoch das Figürliche zu verge-
waltigen. Mit Geschick löst er die Aufgaben der
Bauplastik und wird auch hier allen Anforderungen
des Architektonischen sowie der Anpassung an die For-
mensprache verschiedener Stile gerecht (Abb. 73—76).

Da er sich nun einmal in dieser Weise im
Architektonischen bewegt, gelangt er auch zu den
Aufgaben der Plastik als Raumkunst, poffmann
sieht diese Aufgabe in erster Linie in der Anpassung
der Plastik an die räumliche Situation, die durch
ein gut plaziertes und aufgebautes Denkmal eine
bedeutende Markierung und einen vorzüglichen
Schmuck erhält. Eine in diesem Sinne vorzüglich

gelungene Arbeit ist das Ariegerdenkmal in Neu-
burg a. A. (Abb. 77); dann das Ariegerdenkmal in
Aschaffenburg (Abb. 78). Wie reich und mannig-
faltig auch hierin sich seine Erfindungsgabe äußert,
zeigen die beiden Skizzen zu Brunnen (Abb. 79 u. 80).

Der Aünstler zeigt sich in allen Fächern der
Plastik bewandert, das Schwergewicht seines Schaf-
fens liegt keineswegs nur in der tektonischen Plastik,
mit der vorzüglichen Porträtbüste seiner Gattin
(Abb. 8 l u. 82) beweist er vielmehr, daß er mit
seiner Aunst in nächster Nähe der Natur steht und
die schönste Aufgabe der Plastik, Menschen zu bil-
den, keinen Augenblick aus den Augen verliert.
Juden, er das lebensvolle Bildnis seiner Gattin
schuf und das Charakteristische in stilvoller Weise
darstellte, erweiterte er den Areis seines Gestaltungs-
vermögens und zeigt seine Reise für alle Aufgaben
der Plastik. A. Heilmeyer.

Monismus der (ILunsk?

icht jeder wird sich darunter etwas
vorstellen können; und um zu
richtigem Verständnis dessen, was
damit gemeint sein soll, vorzu-
dringen, ist es nötig, die land-
läufige Bedeutung, die man dem
Worte „Monismus" beizulegen pflegt, von vornherein
ganz aus dem Spiel zu lassen. Jedenfalls aber ist
das Wort vom „Monismus der Aunst" gefallen,
und was sich dahinter verbirgt, könnte man geradezu
als das wichtigste Symptom der inneren Arise des
zeitgenössischen Aunstschaffens bezeichnen. Für niemand
aber besteht ein lebhafteres Interesse an der ganzen
Angelegenheit als für die Areise der „angewandten"
Aunst, des Aunstgewerbes. Für sie eröffnet das
Schlagwort vom „Monismus der Aunst" scheinbar
ungeahnte, glänzende Perspektiven; ist ja doch, wie
wir bald sehen werden, die Quintessenz des Ganzen
nichts Geringeres als die Erhebung der Sach-
kunst zur einzigen, zur absoluten Aunst über-
haupt, und zwar unter Negierung der Existenz-
berechtigung einer selbständigen Plastik und Malerei;
ebenso ist es nur eine konsequente Wetterführung des
Gedankens, wenn auch den Aunstgewerbeschulen
im Zusammenhang damit eine Zukunft prophezeit
wird, in der sie alle anderen Arten von Aunst-
schulen verdrängt haben werden.

Zunächst freilich hat es nicht den Anschein, als
ob mit dem neuen Schlagwort so weitgehende Aon-
sequenzen verbunden wären. 6). Bartning, der in
der Zeitschrift „Das Merk" (Jahrg. lfl09, fjeft 2)

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