Ross, Ludwig ; Ross, Ludwig [Hrsg.]
Archäologische Aufsätze (Band 1): Griechische Gräber. Ausgrabungsberichte aus Athen. Zur Kunstgeschichte und Topographie von Athen und Attika — Leipzig, 1855

Seite: 109
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Beim Parthenon wurde, die früher erwähnte, in bedeuten-
der Tiefe zwischen der Südostecke des Unterbaus und der ki-
mimischen Mauer entdeck!e Schicht mit Trümmern eines oder
vielmehr einiger vorparthononischer Gebäude so weit ausge-
beutet, wie sich eine Spur derselben fand. Der Fund 3) bestehl
bis jetzt lediglich aus Dach- und Stirnzicgeln und Rinnleisten
von gebrannter Erde; so dass anzunehmen ist, dass von den
Gebäuden, welchen sie angehörten, entweder nur die Dächer
verbrannten, oder dass nur die Ziegel und übrigen Theile des
Daches aus gebrannter Erde, die Gebäude selbst aber aus
einem edleren und dauerhafteren Material bestanden, welches
nicht mit dem Schutte weggeworfen, sondern zu andern Bau-
ten wieder verwandt wurde. Zu der Voraussetzung aber zweier
durch Feuer (wegen der zwischen diesen Trümmern gefunde-
nen Asche und schwarzen Holzkohlen) zerstörter Gebäude nö-
thigt der Umstand, dass die angegebenen Reste entschieden
von zweierlei Art sind. Die eine Art der Stirnziegel ist früher
[S. 105] kurz beschrieben worden; die zweite, von welcher erst
ein vollständiges, jedoch in zwei Stücke zerbrochenes Exemplar
und mehrere Fragmente da sind, ist mit der Gorgonenmaske in
der ältesten Form geschmückt, ähnlich dem Medusenhaupte auf
der bekannten Metope, von Selinus; das Haupthaar liegt in
dichten krausen Locken auf der Stirn; unter der Stumpfnase
öffnet sich der breitgezerrte Mund und zeigt die langen, gelben
llauzähne und die hervorgestreckte Zunge; zu beiden Seiten
des Kinns unter den Wangen, wo der dicke Hals anfängt,
ringeln sieb zwei kleine schwarze Schlangen mit langem, spitzi-
gem Barte. Die Farben sind ziemlich stark verblichen; das
Gesicht hat eine fahle Todtenfarbe, die Zunge, ist begreiflich
roth, das Haar bläulich schwarz4). — Von den Dachziegeln

3) [Abbildungen einiger der hier gefundenen Gegenstände bei Poppe
a. a. O.; ein Stirnziegel, zwei Bruchstücke mit Bändern aus verschlun-
genen Toren, und die Ränder zweier Deck- oder Flachziegel (απγαβτη-
pfs) mit Olivenlaub und Fruchtbeeren auf Kl. IV; zwei Rinnleisten auf
Kl. X, zwei andere auf Kl. XIV; dies Alles aus gebrannter Erde, und
die Bemalung vollkommen erhalten. — Die auf der Akropolis, zum
Theil in derselben Grube, gefundenen architektonischen Fragmente ans
weissem Marmor, mit deutliehen Besten oder doch Spuren farbiger Be-
lnalung, ebendas. auf Bl. XVIII.]

4) [Taf.VIII.in| Gr.— Eine unschöne Lithographie dieses Stirnziegels
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