Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

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Nr. 2.

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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Inventare wurde durch Dr. Fritz Rintelen
und Professor Brockhaus besorgt. Kunst-
gelehrte und Sammler von Kunstgegenständen
und Bildern werden den genannten Gelehrten
gewiß für diese Bemühungen dankbar sein.

Ein Nachruf, der Gustav Ludwig in dem-
selben Bande gewidmet wird, soll in den
Blättern für Gemäldekunde Ergänzung und
Berichtigung finden.

P. Buschmann Jr.: „Jacob Jordaens,
eene Studie“ (mit 45 Abbildungen), Brüssel,
Nationale boekhandel voor Kunst en geschie-
denis, G. o. Oest & Cie. 1905. Gr. 8".

Wiederholt haben die Blätter für Gemälde-
kunde auf Jacob Jordaens Rücksicht genommen.
Mehrere neue Erscheinungen der Literatur
über den eigenartigen Realisten und dabei
doch höchst erfindungsreichen Künstler sind
in den Blättern genannt worden, aber noch
fehlt ein Hinweis auf die verhältnismäßig
umfangreiche Monographie von P. Busch-
mann. Sie ist, wie die meisten jüngst erschie-
nenen Arbeiten über Jordaens, durch die
Sonderausstellung in Antwerpen angeregt
worden. So lange nicht ein großes, umfassen-
des Werk über Jacob Jordaens erschienen
ist, wird Buschmanns Monographie als eine
passende Einführung in’s Jordaens-Studium
zu betrachten sein. Das meiste, was sich an
den berühmten Malernamen knüpft, ist wenig-
stens in aller Kürze berührt oder auch etwas
eingehender in dem Buche behandelt. Be-
sondere Ausführungen über einzelne Fragen
waren nicht beabsichtigt, doch bemerkt man
in den meisten Abschnitten die zusammen-
fassende Kraft des kenntnisreichen Autors.
Die Ausstattung des Buches ist glänzend.

Heinrich Zimmermann: „Das In-
ventar der Prager Schatz- und Kunst-
kammer vom 6. Dezember 1621, nach
Akten des k. und k. Reichsfinanzarchivs
in Wien herausgegeben.“ (Aus Band XXV des
Jahrbuchs der kunsthistorischen Sammlungen
des allerh. Kaiserhauses.)

Aus der Prager Kunstkammer reichen
die Fäden des kunstgeschichtlichen Gewebes
in zahlreiche bedeutende spätere Sammlungen.
Kaiser Rudolf II. hatte einen so ungeheueren
Kunstbesitz um sich in Prag vereinigt, daß
diese lange Nachwirkung seiner Sammeltätig-
keit niemanden in Erstaunen setzen wird,
auch wenn er nicht augenblicklich im Ge-
dächtnis haben sollte, was alles aus Prag nach
Wien, nach Schweden gelangt ist und wo
sonst sich Reste der alten rudolfmischen
Kunstkammer befunden haben oder sich noch
befinden. Ein einigermaßen geschlossener Über-

blick bis ins Einzelne ist noch nicht möglich.
Das hängt mit dem Mangel eines Inventars
zusammen, das noch zu Lebzeiten des Kaisers
Rudolf II. abgefaßt worden wäre, ferner mit
der wenig eingehenden Art, mit der spätere
Inventare dieKunstgegenstände anführen. Noch
dazu war keines dieser Verzeichnisse einwand-
frei veröffentlicht worden. Nun bietet uns
Zimmermann neben vielen anderen Urkunden,
die zur Sache gehören, auch das wichtigste
Inventar der Prager Kunstkammer in genauer
Wiedergabe. Es ist das vom 6. Dezember 1621,
das allerdings auch nicht aus Rudolfs II. Zeit
stammt, ihr aber ganz nahe steht. Damit ist *
in der Angelegenheit ein kräftiger Schritt vor-
wärts gemacht worden. Neuerliche Versuche
einer Kommentierung sind nun wieder zu
empfehlen. Zimmermann verzichtet auf eine
solche Kommentierung, bringt aber im Vor-
wort alles, was für den geschichtlichen Zu-
sammenhang, namentlich für die Datierung
der einzelnen Verzeichnisse von nöten ist. Das
Inventar von 1621 ist ungefähr in gleicher
Weise für Gemälde, wie für kunstgewerb-
liche Gegenstände von Bedeutung.

Karl Woermann: „Die italienische
Bildnismalerei der Renaissance.“(Viertes
Bändchen der „Führer zur Kunst“, heraus-
gegeben von Dr. Herrn. Popp. — Eßlingen,
Max Schreiber, 8".)

Diese kleine, aber wertvolle Schrift ist
eine erweiterte und verbesserte Auflage des
Woermannschen Artikels „Hundert Jahre
italienischer Bildnismalerei“, der 1891 in der
Deutschen Rundschau erschienen war. Woer-
mann gewährt einen knappen Ausblick auf
die Bildniskunst in der Antike und im Mittel-
alter. Die Porträtmalerei des 15. Jahrhunderts
wird des besonderen und ausführlicher be-
handelt und aus verschiedenen Gesichtswinkeln
betrachtet. Mehrere Kapitel über die Bildnis-
malerei des 16.Jahrhunderts schließen denText,
auf den dann noch ein kurzer „Schriftennach-
weis“ folgt. Reichliche kleine Abbildungen.

Paul Meyerheim: „Adolf von Menzel,
Erinnerungen von..“ (Beigegeben sind ein Drei-
farbendruck, elf Lichtdrucke und ein Hand-
schriftfaksimile.) Berlin, Gebrüder Paetel, 190?,

8', 159 SS.

„Mit meinen Eltern war ich oft im Menzel-
schen Hause. Menzel gab sehr viel auf das
Urteil meines Vaters.“ So erzählt P. Meyerheim
in dem Büchlein (S. 27), in dem er seine Er-
innerungen an Menzel zusammenfaßt. Einen
all zu sehr verallgemeinerten Ausfall gegen die
Kritiker überspringend, den Meyerheim an
das Urteil seines Vaters knüpft, lasse ich den
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