Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 189
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Nr. xo.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

189

geht auf ein mehr durchgeistigtes, von
der Kultur angekränkeltes Modell zurück.
Das Louvrebild kommt an den Christus--
typus im vorliegenden Gemälde ziem-
lich nahe heran. Damit seien die Er-
örterungen abgeschlossen.

ZU KASPAR FRANZ SAM-
BACH.

Von Kurt Frieberger.

Die bedeutende Neigung des XVIII.
Jahrhunderts zu reichbewegter dekora-
tiver Ausstattung der Innenräume schuf
im Übergange von der Wand- und
Deckenbekleidung mit Stuck, Stoff- und
Ledertapete zur Papiertapete in der Zeit
um den Regierungsantritt Maria There-
sias eine luxuriöse Modekunst maleri-
scher Nachahmung des bildhauerischen
Schmuckes. Damals waren die beiden
Mitglieder der Antwerpener Lukasgilde:
Jacob de Wit und Martinus Jos. Gee-
raerts, Häupter einer schülerreichen
Kunstübung, deren Werke leider großen-
teils mit der Mode, die sie begehrte,
untergingen. Von der Hand des letzt-
erwähntemMeisters besitzt das Kunst-
historische Hofmuseum ein wertvoll
instruktives Gemälde (Nr. 1214), das
in feinsinniger Komposition Marmor-,
Holz- und Bronzerelief nachahmt. Sol-
che gemalte Basreliefs fanden als be-
liebter, rasch geschaffener Zierat auch in
der baulustigen Aristokratie des Öster-
reichs der Barocke ein aufnahmsfreudi-
ges Publikum, das durch die Blüte der
Bildhauerkunst unter Strudel, Donner
und Messerschmidt ein besonderes Ver-
ständnis gewonnen hatte. Ein Schüler
Georg Raphael Donners war auch der
geübteste Vertreter dieser imitatorischen
Kunst: Kaspar Franz Sambach; halb
vergessen, obwohl er viel geschaffen und
als Vorgänger Fügers in der Direktion

der Akademie der bildenden Künste von
nicht geringem Einfluß auf die zeit-
genössische Malerei gewesen sein dürfte.

Sambach, geboren zu Breslau am
6. Januar 1715, war eines armen Schu-
sters Kind, der mit den Erzeugnissen
seines Handwerks des Sohnes ersten
Zeichenlehrer, einen Maler ohne Bedeu-
tung, der Reinert hieß, bezahlte. Über
die Anfangsgründe hinaus und ausdau-
erndfleißig im Studium der „Gnomonik“,
Optik und Mathematik arbeitete der
junge Kaspar unter Leitung des De Epe
(sc. De l’Epe), eines angesehenen Schülers
von Daniel Gran, an der malerischen Aus-
schmückung der Troppauer Dominika-
nerkirche. Ein Geschenk von 50 Gulden,
das ihm der Meister am Ende des dritten
Lehrjahres machte, war der erste Lohn
seiner Kunst. Nun soll ihn Matthäus
Donner brieflich nach Wien geladen
haben, wo Sambach in der Karwoche
1740 eintraf und, da er zu anstrengen-
der Arbeit in Stein zu schwach war, im
Atelier Raphael Donners Wachsbossie-
rungen arbeitete. Nach des großen Mei-
sters Tode und zur Zeit, als der bayri-
sche Erbfolgekrieg ausbrach, scheint des
Künstlers Schicksal freudlose Brotarbeit
gewesen zu sein; erst 1743, nach seiner
Vermählung, wird er vom Glück begün-
stigt und erhält vom Protektor der Aka-
demie, dem Grafen Althann, und dem
Direktor Meytens den ersten Preis in
der Zeichnung zuerkannt. Dann steigt
er langsam auf der Ehrenleiter bis zur
höchst erreichbaren Stufe: 1758 wird er
Ehrenmitglied der franziszeischen Aka-
demie zu Augsburg, 1762 über Vorschlag
Marons durch Kaunitz' Verwendung
unter dem Protektor Grafen Losy von
Losimthal und dem Direktor Meytens
Professor der Wiener Akademie der
bildenden Künste, 1772 bei Vereinigung
der Maler- und Bildhauerklasse mit Ver-
leihung des Ratstitels Direktor der Aka-
demie, als welcher er am 7. Februar
1795 starb. Vermutlich findet sich sein
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